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Von Tag zu Tag – Heute vor 100 Jahren

11. Jänner 1919

Frau Mariette von Jakabffy, geborene Johanny, 1919
"Frau Mariette von Jakabffy geb. Johanny"; © Wiener Salonblatt vom 11. Jänner 1919

Am 11. Jänner 1918 zeigte das Wiener Salonblatt das Porträtfoto einer "der größten Schönheiten unserer Stadt und wohl auch der ganzen Welt, Frau Mariette v. Jakabffy, seit 12. August 1918, die Vermählung hatte in Budapest stattgefunden, die Gemahlin des ungar. Großgrundbesitzers Tibor v. Jakabffy, zweitjüngsten Sohnes des Somoskeszi Jakabffy Istvan. Frau Mariette v. Jakabffy erblickte 1894 als Tochter des Pfarrers der evang. Gemeinde A.B. in Wien Dr. phil. Erich Johanny das Licht der Welt."

Marietta Johanny wuchs streng behütet in einem Wiener Pastorenhaushalt auf und durfte nicht – wie es ihr Wunsch war – Schauspielerin werden. Trotzdem gelang es ihr kleinere Theaterauftritte zu absolvieren, wobei sie in Bad Ischl den englischen Tenor und Schauspieler Alfred Piccaver kennenlernte. 1913 fand die Hochzeit statt, die allerdings bald zerbrach. Auch ihre Ehe mit dem ungarischen Großgrundbesitzer Jakabffy hielt nicht lange, sodass sie in dritter Ehe den rumänischen Baron Alexander Styrcea heiratete.

Mit ihm lebte Marietta Johanny, die von der damaligen Presse einhellig als "die schönste Frau der Welt" bezeichnet wurde, abwechselnd in ihrem Palais in der Wiener Prinz-Eugen-Straße, in Paris, Monte Carlo und Biarritz. Marietta Baronin von Styrcea verfiel der Morphiumsucht und verstarb 1934 in Czernowitz.

Link:
Frau Mariette von Jakabffy geb. Johanny (Wiener Salonblatt vom 11. Jänner 1919)

10. Jänner 1919

Schweizer Soldaten als Gäste in der ehemaligen Kaiserloge und in der Direktionsloge des Theaters an der Wien, Jänner 1919
"Die Schweizer Hilfsmission in Wien: Schweizer Soldaten als Gäste in der ehemaligen Kaiserloge und in der Direktionsloge des Theaters an der Wien", Jänner 1919, Foto von Richard Hauffe; © Das interessante Blatt vom 23. Jänner 1919

Die im Weltkrieg neutrale Schweiz, zu der die österreichisch-ungarische Monarchie auch während des Krieges gute Beziehungen unterhielt, unterstützte das hungernde Wien mit zahlreichen Lebensmittelhilfslieferungen, wofür sich die Stadt Wien mit der Umbenennung des Maria-Josefa-Parks in Schweizergarten bedankte. Anfang Jänner 1918 reiste eine Schweizer Delegation nach Wien, die sich am 10. Jänner 1919 auf eine ausgedehnte Besichtigungstour durch Wien begab, die am Vormittag mit der Besichtigung der Großmarkthalle und des Naschmarktes begann. Die Wiener Zeitung berichtete:

"Marktamtsdirektor Bauer, der die Führung der Herren auf den Märkten übernommen hatte, sowie der Leiter der Großmarkthalle Oberinspektor Philipp und der Leiter des Naschmarktes Oberinspektor Wagner erläuterten an der Hand von statistischen Daten die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung Wiens. Die Mitglieder der Schweizer Abordnung zeigten lebhaftes Interesse für die Darlegungen und anerkannten, daß unter den obwaltenden Umständen ausreichende Hilfe für Wien geschaffen werden müsse. Nach der Besichtigung der Märkte begaben sich die Kommissionsmitglieder zur Technischen Hochschule und zur Karlskirche und von dort zur Orthopädischen Anstalt und lnvalidenschule im 5. Bezirke, hier begrüßte der Direktor der Anstalt Professor Doktor Spitzy die Erschienenen, und unter Führung des Regimentsarztes Dr. Boxer und des Hauptmannes Ing. Kretschmer erfolgte die Besichtigung des Instituts. Am Nachmittag wurde das Detachement in die Reichsanstalt für Mutterschutz und Säuglingsfürsorge im 18. Bezirke geleitet, wo sie vom Direktor Primarius Dr. Moll empfangen wurden, der Erläuterungen über die Tätigkeit der Reichsanstalt gab. Die Herren übergaben dem Direktor eine ansehnliche Geldspende zur Förderung der Institutszwecke und beteilten auch die erschienenen Mütter sowie die Kinder mit Schokolade."

Links:
Schweizer Hilfsmission (Wiener Zeitung vom 11. Jänner 1919) 
Heute vor 100 Jahren: Der erste Lebensmittelzug aus der Schweiz (30. Dezember 1918)
Heute vor 100 Jahren: Invalidenschulung in der Gassergasse 44-46 (9. Oktober 1917)

9. Jänner 1919

Franz Höbling (Burgtheater) und Thea Rosenquist (Deutsches Volkstheater) im Film 'Die Jüdin von Toledo', Jänner 1919
"Franz Höbling (Burgtheater) und Thea Rosenquist (Deutsches Volkstheater) im Film 'Die Jüdin von Toledo'"; © Das interessante Blatt vom 9. Jänner 1919

Am 9. Jänner 1919 kündigte Das interessante Blatt den Kinostart von Otto Kreislers neuestem Film an:

"Von der Filmgesellschaft 'Helios' gelangt in der nächsten Zeit ein Film zur Ausgabe, der geeignet ist, die Kenntnis der klassischen Dichtkunst Oesterreichs in die weitesten Kreise des Kinopublikums zu tragen. Grillparzers Tragödie 'Die Jüdin von Toledo' in eine Reihe lebender Bilder aufgelöst, wird die reiche schöpferische Phantasie des größten österreichischen Dichters auch jenen Volksschichten nahebringen, die bisher keine Verbindung mit ihm hatten. Ein lobenswerter Versuch, erzieherisch auf die Massen zu wirken. Die Hauptrollen König Alfons und Rachel wurden von Franz Höbling und Thea Roseaquist dargestellt. Die Inszenierung und Regie besorgte Otto Kreisler, der Direktor der Gesellschaft."

"Die Jüdin von Toledo" debütierte im Februar 1919 in den österreichischen Kinos. Heute ist dieser Stummfilm nur mehr fragmentarischen erhalten und wurde anlässlich des Viennale Filmfestivals im November 2016 mit musikalischer Begleitung nach fast einem Jahrhundert wieder zur Aufführung gebracht.

Der Schauspieler, Regisseur und Produzent Otto Kreisler inszenierte seinen ersten Film im Winter 1917/18 nach Henrik Ibsens Theaterstück "Die Gespenster". 1919 gründete er seine eigene Produktionsfirma "Helios", die mit dem Film "Die Jüdin von Toledo" einen erfolgreichen Markteintritt feierte. Im Laufe seiner Karriere verfilmte Kreisler zahlreiche Biografien, darunter solche von Theodor Herzl, Wolfgang Amadeus Mozart, vom bayerischen König Ludwig II oder Johann Strauß. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er – so wie seine Lieblingsdarstellerin Thea Rosenquist – vor der nationalsozialistischen Verfolgung flüchten. Otto Kreisler verstarb 1970 in London.

Links:
Grillparzer im Film (Das interessante Blatt vom 9. Jänner 1919)
Heute vor 100 Jahren: Das Zentrum der Wiener Filmindustrie (13. Oktober 1918)
Heute vor 100 Jahren: Thea Rosenquist (27. September 2017)
Weiterlesen: Franz Höbling (Biografie)
Weiterlesen: Die Jüdin von Toledo anlässlich der Viennale 2018

8. Jänner 1919

Peter Altenberg
Peter Altenberg; © Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919

Am 8. Jänner 1919 verstarb der Schriftsteller Peter Altenberg. Das Interessante Blatt brachte einen Nachruf:

"Ein Wiener Dichter, eine Erscheinung in der Literaturwelt, die sich durch die Eigenart des Lebens sowohl wie des Schaffens Beachtung erzwang. Die Bücher, die er schrieb, sind gering an Zahl wie an Umfang, aber darin liegt der ganze Inhalt seines Wesens. Er gab nur Augenblicksbilder, die ihn fesselten, in geschlossener, oft abrupter Form. Seine momentane Stimmung gestaltet sich zum Wort. Zum klingenden Wort, das fort tönt und den Hauch der Schönheit auf seinen Schwingen trägt. Oft läßt es mitten im Brausen der Welt aufhorchen und ahnen, welche tiefe Weltanschauung der Dichter in seiner Seele trug. Daß Altenberg nicht stärker auf seine Zeitgenossen wirkte, liegt in der Seltsamkeit seiner Lebensführung, die stark von der Linie des Normalen abwich und ihn oft zu einer lächerlichen Figur machte. Der Denker gebärdete sich häufig als Narr. Nur wenige haben ihn erkannt. Diese wenigen aber lieb gewonnen. Spät gelangte er zu literarischer Berühmtheit, doch blieb ihm immer der schriftstellerische Betrieb fremd, er wußte nicht den reichen Gewinn daraus zu schlagen, wie es moderne Berühmtheiten so gut verstehen. Er war ein Lebenskünstler, der alles ablehnte, das seiner Wesenart nicht entsprach und deshalb oft verkannt wurde. Sein Tod, der infolge einer beiderseitigen Lungenentzündung im Allgemeinen Krankenhause erfolgte, erlöste den Dichter von langjährigen Leiden. Sein Leben brachte er auf 60 Jahre."

Peter Altenberg, eigentlich Richard Engländer, wählte sein Pseudonym nach seiner Jugendliebe Berta "Peter" Lechner, die in Altenburg an der Donau lebte. Altenberg stammte aus einer wohlhabenden Wiener Familie, wurde von Privatlehrern unterrichtet und maturierte am Wiener Theresianum, einer Eliteschule. Ärzte attestierten ihm eine "Übererregbarkeit des Nervensystems" und erklärten ihn als berufsunfähig.

Altenberg verbrachte sein Leben als Kaffeehausliterat und war üblicherweise im Café Central mit seinen beiden Freunden Adolf Loos und Karl Krauss anzutreffen. War er nicht im Kaffeehaus, war er gerade am Weg dorthin, wie man von ihm sagte. Von 1913 bis zu seinem Tod am 8. Jänner 1919 lebte Altenberg im Grabenhotel in der Wiener Innenstadt.

Heute kann man Peter Altenberg im Café Central in der Wiener Herrengasse besuchen, wo er als Gipsfigur verewigt an einem Kaffeehaustisch sitzt; außerdem wurde ihm die Peter-Altenberg-Gasse in Wien-Döbling gewidmet.

Links:
Peter Altenberg † (Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919)
Weiterlesen: Biografie Peter Altenbergs

7. Jänner 1919

Die interalliierte Wirtschaftskommission in Wien: Der Vorsitzende der Kommission und Vertreter des amerikanischen Lebensmittelkontrollors Dr. Taylor auf der Straße vor seinem Wiener Hotel
"Die interalliierte Wirtschaftskommission in Wien: Der Vorsitzende der Kommission und Vertreter des amerikanischen Lebensmittelkontrollors Dr. Taylor (x) auf der Straße vor seinem Wiener Hotel", Foto von Karl Sebald; © Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919

Am 2. Jänner 1919 reiste eine interalliierte Wirtschaftskommission aus der Schweiz nach Wien. Unterwegs unternahmen die Mitglieder der Kommission in Vorarlberg einen Stadtrundgang durch Feldkirch und wurden in Innsbruck vom Tiroler Landeshauptmann Josef Schraffl empfangen.

Der Vorsitzende der Wirtschaftskommission war der aus dem amerikanischen Bundesstaat Iowa stammende Arzt Alonzo Englebert Taylor, der 1890 auch in Berlin studiert hatte. Am Sonntag, dem 5. Jänner 1919, traf er im Wiener Hotel Bristol mit dem berühmten Orthopäden und Ehrenbürger New Yorks Adolf Lorenz, Vater des späteren Nobelpreisträgers Konrad Lorenz, und mit Staatsrat Max Friedmann zusammen, um die wirtschaftliche und gesundheitliche Lage Österreichs zu diskutieren. Die zeitgenössischen Zeitungen berichteten von dem Gespräch und vor allem darüber, dass Taylor – und damit auch die Entente-Mächte –  für eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nachfolgestaaten der ehemaligen Monarchie eintreten würden.

Allerdings folgte am 7. Jänner 1919 ein von der Entente initiiertes Dementi, das tags darauf vom Neuen Wiener Journal veröffentlicht wurde:

"Eine hier verbreitete Mitteilung, als ob der Vorsitzende der in Wien weilenden interalliierten Wirtschaftskommission Dr. Taylor sich dahin geäußert habe, daß die Nationalstaaten auf dem Boden des bisherigen Oesterreichs ihre wirtschaftlichen Beziehungen wieder aufnehmen müßten, und daß er damit gleichsam die in Ententekreisen bestehenden Absichten über die Zukunft der Nationalstaaten wiedergegeben habe; ist durchaus irrig. Mr. Taylor ist, wie in amerikanischen Kreisen versichert wird, überhaupt nicht in der Lage, ein derartiges Zukunftsprogramm für die Nationalstaaten auf dem Boden des früheren Oesterreich zu entwerfen. Mr. Taylor hat sich in einer sachlichen Besprechung in Wien nur über die momentane Wirtschaftslage dieser Stadt geäußert, insbesondere über die enormen Schwierigkeiten der Kohlenversorgung [...] Die Möglichkeit, dass sich Mitglieder der interalliierten Wirtschaftskommission an der Kontrollkommission beteiligten, deren Aufgabe es wäre, das wirtschaftliche Zusammengehen der Nationalstaaten des früheren Oesterreich auf allgemeiner Basis zu sichern, komme daher nicht in Frage."

Nach seinem Engagement in der interalliierten Militärkommission widmete sich Taylor wieder der Wissenschaft, unter anderem an der Universität Stanford und publizierte mitten im Zweiten Weltkrieg das Buch "Germany Then and Now" (1941); er verstarb 1949. Der angesehene und den Vereinigten Staaten eng verbundene Wissenschaftler Adolf Lorenz, an den in Wien-Hietzing die Adolf-Lorenz-Gasse erinnert, veröffentlichte seine Autobiografie in englischer Sprache unter dem Titel "My Life and Work", 1937 erschien sie in deutscher Übersetzung als "Ich durfte helfen. Mein Leben und Wirken". Lorenz verstarb 1946 im niederösterreichischen Altenberg, nördlich von Wien.

Links:
Die Entente und die wirtschaftlichen Beziehungen Deutschösterreichs (Neues Wiener Tagblatt vom 7. Jänner 1919)
Die Zukunft Deutschösterreichs. Die angebliche Aeußerung Misters Taylor (Neues Wiener Journal vom 8. Jänner 1919)

6. Jänner 1919

Volksabstimmung in Kärnten 1920: Transparente in Klagenfurt, Laibacher Straße (heute: Rosentaler Straße)
Volksabstimmung in Kärnten 1920: Transparente in Klagenfurt, Laibacher Straße (heute: Rosentaler Straße); © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Nach Gebietsansprüchen des SHS-Staates, des späteren Jugoslawiens, gegenüber Kärnten, begann am 5. Jänner 1919 der sogenannte "Kärntner Abwehrkampf" um die Einheit des Bundeslandes Kärnten. Am 5. Jänner 1919 wurde Arnoldstein von der deutsch-österreichischen Volkswehr zurückerobert und am Morgen des 6. Jänner 1919 konnte die Volkswehr in der kleinen Ortschaft Mühlbach in der Gemeinde St. Jakob im Rosental ein Brückenkopf an der Drau errichten, wie das das Grazer Tagblatt tags darauf meldete:

"In der Nacht vom 5. auf den 6. d. ging ein Volkswehrbataillon von Velden über die Drau und besetzte den Brückenkopf Mühlbach-Kleinberg südwestlich Rosegg. Die südslawische Besatzung von Rosegg wurde nach hartem Kampfe gefangengenommen und wie die Gefangenen von Arnoldstein nach Klagenfurt abgeliefert."

Die Kärntner Truppen wurden vom Landesbefehlshaber Oberstleutnant Ludwig Hülgerth und Oberleutnant Hans Steinacher geführt. Die deutschösterreichische Regierung musste den Abwehrkampf zwar offiziell ablehnen, da die Republik von Lebensmittellieferungen aus dem SHS-Staat angewiesen war; trotzdem unterstützte die Regierung die Abwehrkämpfer mit Truppenentsendungen und Materiallieferungen.

Bereits am 14. Jänner 1919 wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Die Kampfhandlungen führten zur Einsetzung der sogenannten "Miles-Mission", die nach ihrem Leiter, dem amerikanischen Offizier Sherman Miles benannt war. Die Miles-Mission hatte die Lage in Kärnten einzuschätzen und schlug schlussendlich eine Volksabstimmung in den strittigen Gebieten im südlichen Kärnten vor. Diese Abstimmung fand am 10. Oktober 1920 statt, wobei die Mehrheit der Bevölkerung für den Verbleib bei Österreich stimmte.

Links:
Die Abwehrkämpfe in Kärnten (Grazer Tagblatt vom 7. Jänner 1919)
Weiterlesen: Als man mit Blut die Grenze schrieb (Austria Forum)

5. Jänner 1919

Soldatenwaisen aus dem 10. Wiener Gemeindebezirk bei der Kriegergedächtnisfeier vor der Wiener Karlskirche am 5. Jänner 1919
Soldatenwaisen aus dem 10. Wiener Gemeindebezirk bei der Kriegergedächtnisfeier vor der Wiener Karlskirche am 5. Jänner 1919; © Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919

Am Sonntag, den 5. Jänner 1919, fand nachmittags eine von militärischen Formationen veranstaltete "Kriegergedächtnisfeier" vor der Wiener Karlskirche statt, anlässlich derer sich Tausende Hinterbliebene von Gefallenen, Inavlide und andere Kriegsteilnehmer, die damalige Spitzenpolitik und der hohe Klerus vor der Karlskirche versammelten:

"Der ganze weite Platz vom Schwarzenbergplatz bis zur Technik war von der Menge der Besucher erfüllt. Auf den Stufen der Kirche hatte Präsident des Staatsrates Seitz, Kardinal-Fürsterzbischof Piffl, der Staatssekretär für das Heerwesen Mayer und die Unterstaatssekretäre Dr. Deutsch und Dr. Waiß, FML. Boog und andere ihren Standplatz genommen. Mit dem von der Volkswehrmusik angestimmten weihevollen 'Gebet vor der Schlacht' wurde die Feier eingeleitet. Hierauf wurde vom Männergesangsverein Beethovens 'Ehre Gottes' vorgetragen. Nun hielt Hauptmann Hoffer die Fest- und Dankrede, die vor allem das Heldentum und die schlichte Seelengröße des einfachen Soldaten feierte. Er forderte die Ehrung der Gefallenen und die Hilfe für die Invaliden und fand ergreifende Worte, die vom Herzen kamen und den Weg zu den Herzen fanden. Nach ihm sprach der Vorsitzende des österreichischen Soldatenrates Kunz und namens der Volkswehr Dr. Neubauer, die der gefallen Helden gedachten und die Dankespflicht der Hinterbliebenen betonten. Der Männergesangsverein sang nun Mozarts 'Bundeslied', worauf mit dem von der Musik neuerlich gespielten 'Gebet vor der Schlacht' die erhebende Feier ihren Abschluß fand. Die Menge bildete eine Gasse, durch welche die Ehrengäste, die Witwen und Waisen und Invaliden abzogen und löste sich dann in vollster Ordnung auf."

Nach einem weiteren Weltkrieg erklang 28 Jahre, 2 Monate und 2 Tage nach der oben beschriebenen "Kriegergedenkfeier" die Melodie des "Bundeslieds" am 7. März 1947 mit Paula Preradovics' Text "Land der Berge, Land am Strome" erstmals als Bundeshymne der 2. Republik.

Link:
Deutschösterreichische Kriegergedächtnisfeier (Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919 mit weiteren Bildern von der Feier)

4. Jänner 1919

Dr. Karl Beurle, vor 1919
Dr. Karl Beurle; © Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1918

Am 4. Jänner 1919 verstarb der oberösterreichische Industrielle und deutschvölkische Politiker Karl Beurle an der Spanischen Grippe, wie Das interessante Blatt berichtete:

"Im Jahre 1860 geboren hatte er nach Absolvierung des Schottengymnasiums in Wien eine lange Reihe von Jahren als Advokat in Linz gewirkt und diese Stadt seit 1890 im oberösterreichischen Landtag vertreten. Von 1901 bis 1907 gehörte er dem Abgeordnetenhause des Reichsrates an, um im Jahre 1917 in das Herrenhaus berufen zu werden. Er hat als Mitglied der ersten und zweiten Kammer des Reichsrates in einer Reihe von Ausschüssen mitgewirkt und auch in der Zeit, da er dem Reichsrate nicht angehörte, unermüdlich politisch gearbeitet, wodurch seine hervorragende Stellung in der politischen Leitung Oberösterreichs begründet und gefestigt hat."

Beurle, "Schönerers Apostel in Linz" (Kurt Tweraser im Historischen Jahrbuch der Stadt Linz, 1989), setzte sich in Linz für die Elektrifizierung der Stadt und den Ausbau der Pöstlingbergbahn ein. Außerdem war er der Gründer einer der einflussreichsten Bierbrauerdynastien Österreichs: aus den verschiedenen Brauereien, denen er als Präsident vorstand, ging schließlich die Österreichische Brau AG hervor.

Der deutschnationale Burschenschafter Beurle blieb zeitlebens seiner Gesinnung treu und erwarb 1917 "für die Burschenschaften der Ostmark" einen Wehrturm der ehemaligen Linzer Stadtbefestigung, in dem sich bis heute der "Burschenschafterturm" befindet.

Beurle genoss allerdings parteiübergreifendes Ansehen, wie aus den Nachrufen der christlichsozialen Reichspost und der sozialdemokratischen Arbeiterzeitung hervorgeht. Letztere aber nicht ohne Kritik an den 1918 nachstrebenden deutschnationalen Politikern:

"Ein in Oberösterreich durch lange Jahre an hervorragender Stelle wirkender Politiker ist in Linz an den Nachfolgen der Grippe gestorben, Dr. Karl Beurle, der der älteren deutschnationalen Generation angehörte und auch immer erkennen ließ, daß er aus anderem Holz geschnitzt ist als die charakterlosen Nachkommen."

Heute erinnert der Beurleweg am Linzer Pöstlingberg an den umstrittenen oberösterreichischen Industriellen und Politiker.

Links:
Dr. Karl Beurle † (Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1918)
Beurle gestorben (Arbeiter-Zeitung vom 5. Jänner 1919)
Herrenhausmitglied Dr. Beurle gestorben (Reichspost vom 5. Jänner 1919)
Weiterlesen: Der höchst umstrittene Modernisierer der Vorkriegszeit (Oberösterreichische Nachrichten vom 4. April 2014)

3. Jänner 1919

Skiwanderung im Wienerwald im Jänner 1919
Skiwanderung im Wienerwald; © Illustriertes Sportblatt vom 3. Jänner 1919

Aus heutiger Sicht etwas überraschend berichtete das Illustrierte Sportblatt am Anfang 1919 über den Wiener Heurigen-Vorort Pötzleinsdorf als "Wiege des österreichischen Skisports". Das Sportblatt empfahl am 3. Jänner 1919 eine Tour entlang der historischen "Ski-Derbystrecke" im Westen Wiens:

"Damals galt noch Pötzleinsdorf als Hochburg des Skisportes in Österreich und alljährlich fanden im dortigen Gebiet hochinteressante Skiwettläufe statt, denen ein zahlreiches Publikum beiwohnte. Diese historische Stätte hat mit dem späteren Eintritt schneearmer Winter an Bedeutung verloren. Die inzwischen immer mehr ausgreifende Bautätigkeit bemächtigte sich zudem des freien Geländes, das ehemals der Erholung diente [...] Von den Touren soll zunächst eine empfohlen werden, die über die alte Skiderbystrecke führt und ungefähr über eine Strecke von 10 Kilometer geht. Von Pötzleinsdorf führt der Weg zunächst bis zur Höhe des Michaeler Berges (386 Meter). Entlang der grünen Markierung fährt man zur Salmannsdorferstraße ab; jenseits der Straße beginnt der Aufstieg auf das Hameau, zunächst über einen freien Hang, dann längere Zeit durch den Wald bis zur Höhe (462 Meter). Nach einer kurzen Waldfahrt leuchtet die breite Klosterneuwiese durch die Stämme. Jetzt erst kann man den Skiern freien Lauf lassen, doch muß man achten, letzten Endes nicht zu Fall zu kommen, da der Auslauf ziemlich steil abschließt. Diese kritische Stelle, die bezeichnenderweise 'der tote Norweger' benannt wird, ist mit Vorsicht zu passieren, sie mündet in einen Waldweg, der nach Weidling am Bach führt. Der Ort wird jedoch nicht weiter berührt, da die Fahrt in östlicher Richtung der Waldlisere entlang fortgesetzt wird..."

Link:
Wien als Wintersportplatz (Illustriertes Sportblatt vom 3. Jänner 1919)

2. Jänner 1919

Salzburg 1926: Das Abfertigungsgebäude des Flughafens
Salzburg 1926: Das Abfertigungsgebäude des Flughafens; © Gemeinfrei

Salzburg, das für seine barocke Architektur, für Musik und Theater bekannt ist, war schon vor dem Ersten Weltkrieg bei Touristen beliebt und blieb es auch nach 1918, insbesondere auch wegen der rasanten Entwicklung des Wintersports. Deshalb erlahmten auch die Forderungen nach der Errichtung eines Flugplatzes nicht. Beispielsweise forderte das Salzburger Volksblatt zu Jahresbeginn 1919 Jahren erneut den Bau eines "Flugzeughafens":

"Der ungeheure Aufschwung, den die Flugtechnik im Verlaufe des Weltkrieges genommen hat, scheint die Zeit in greifbare Nähe gerückt zu haben, in der jede größere Stadt auch einen Abflugs- und Landungsplatz für die dem Personenverkehr dienenden Flugzeuge besitzen muß, wenn sie nicht als rückständig gelten, will. Es ist daher nur zeitgemäß, wenn für Salzburg jetzt schon der hiefür geeignetste Platz gesichert wird. Als solcher kann nur das Exerzierfeld in Maxglan in Betracht kommen. Es wäre ein unbegreiflicher Mangel an Weitblick, wenn dieser einzig geeignete Grundkomplex, wie unkontrollierbare Gerüchte verlauten, veräußert würde, ohne den für obigen Zweck nötigen Platz reserviert zu haben. Bis ein regelmäßiger Flugpostverkehr eingeführt ist, könnte dieses Gebiet zur Errichtung einer großen Schrebergärtenkolonie Verwendung finden, denn die Schrebergärtnerei wird hoffentlich, zum Wohle der Bevölkerung eine ständige Einrichtung bleiben."

Erste Flugversuche fanden 1910 in Salzburg-Aigen statt. Nach der Gründung des "Salzburger Fliegerverbandes" kam es 1926 endlich zur Errichtung des später "W.A. Mozart" genannten Flughafens am ehemaligen Maxglaner Exerzierfeld im Norden der Stadt Salzburg. Zum 90. Jubiläum des Flughafens landete erstmals das längste Flugzeug der Welt, eine Boeing 747-800, am Salzburger Flughafen.

Links:
Salzburgs zukünftiger Flugzeughafen? (Salzburger Volksblatt vom 2. Jänner 1919)
Weiterlesen: Die Geschichte des Salzburger Flughafens