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Von Tag zu Tag – Heute vor 100 Jahren

15. September 1917

Bahnhofsgebäude in Feldkirch in Vorarlberg im Jahre 1899
Ansicht des Bahnhofs von Feldkirch in Vorarlberg, Postkarte aus 1899; © Public Domain

Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde in Vorarlberg entlang der Grenze zur Schweiz eine mehrere Kilometer breite "Verbotszone" eingerichtet, die von Ortsfremden, insbesondere aber von Militärpersonen, darunter auch Soldaten, die aus dem Rheintal stammten, nicht betreten werden durfte. Innerhalb der Verbotszone, in der auch die Stadt Feldkirch lag, kam der Tourismus ganz zum Erliegen. Es war verboten von öffentlichen Wegen und Straßen abzuweichen und landwirtschaftlich genutzte Felder und Almen durften nur von Personen betreten und bewirtschaftet werden, denen ein amtlicher Passierschein ausgestellt wurde.

Der Grund für die Einrichtung der Verbotszone lag in der Angst der österreichischen Behörden vor Agenten feindlicher Mächte, die aus der neutralen Schweiz heraus operierend den Kontakt mit Personen im Grenzland suchten, um Informationen über die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Österreich zu erlangen. Das Einreiseverbot, das auch Soldaten betraf, die im Rheintal ansässig waren und ihren Heimaturlaub zuhause verbringen wollten, führte zu anhaltenden Protesten von Lokalpolitikern, unter anderem der Bürgermeister von Dornbirn und Bregenz.

Im Herbst 1917 war es endlich soweit: Am 15. September meldete der "Landbote von Vorarlberg" die Lockerung des Einreiseverbotes für Militärpersonen aus dem Vorarlberger Rheintal. Die Einreise in die Verbotszone wurde allerdings weiterhin streng kontrolliert: Urlaubsansuchen mussten mit langer Vorlaufzeit zur Überprüfung an das "Grenzschutzkommando Feldkirch" gerichtet werden und Personenkontrollen fanden in der eigens dafür eingerichteten "Urlaubskontrollstelle" in Bludenz statt.

Link:
Urlaubsreisen unserer Soldaten ins Rheintal (Landbote von Vorarlberg vom 15. September 1917)

14. September 1917

Eine um 1917 in die Wand einer Gefängniszelle geritzte Zeichnung eines Häftlings.
Eine um 1917 in die Wand einer Gefängniszelle geritzte Zeichnung eines Häftlings; © Öffentliche Sicherheit, Wien-Graz, 6/1921, S. 12

Albert Petrikovits, Redakteur des in Wien und der Steiermark erscheinenden Magazins "Öffentliche Sicherheit", veröffentlichte in den 1920er Jahren "Kerkerinschriften", also Graffitis, auf österreichischen Gefängniswänden. Folgende Inschrift aus 1917 schrieb Petrikovits einem Deserteur zu und folgerte: "Es grollt die soziale Revolution aus diesem Aufschrei":

Wir kämpfen nicht für Kaiser
Wir kämpfen nicht für Gott!
Wir kämpfen für die Reichen
Die Armen schlägt man tot!

Während die österreichische Armee Deserteuren vor allem politische Motive unterstellte, waren die tatsächlichen Motive zumeist viel trivialer und betrafen Hunger oder Kriegsmüdigkeit wie auch aus neueren Forschungen hervorgeht. Die österreichischen Armeebehörden überschätzten die politischen Motive, die sie vor allem mit "politischer Verhetzung" an der Heimatfront und kommunistischer ("bolschewistischer") Propaganda erklärten. Für letztere wurden insbesondere ab Herbst 1917 die aus russischer Kriegsgefangenschaft zu ihren Truppenkörpern heimkehrenden ehemaligen österreichischen Kriegsgefangen verantwortlich gemacht.

Link:
Keine dritte Desertion (Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 14. September 1917)

13. September 1917

Große Gruppe junger Frauen und Männern posieren in Badeanzügen für ein Gruppenfoto.
"Eine lustige Gesellschaft im Strandbad Gänsehäufel" im unerwartet milden Herbst des Jahres 1917; © Das interessante Blatt vom 13. September 1917

Ende des 18. Jahrhunderts entstanden erstmals Freibäder an der Donau. Wohlhabende Wienerinnen und Wiener badeten in dem nach dessen Gründer dem Arzt Pascal Joseph Ferro benannten "Ferro-Bad" in der Nähe des Augartens, während weniger Wohlhabenden die kostenlosen "Armenbäder" zur Verfügung standen. 1810 wurde in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt das Dianabad errichtet, das nach einem Umbau 1842 über die größte Schwimmhalle Europas verfügte.

Im Zuge der Donauregulierung errichtete die Stadt Wien 1876 in der Nähe der Reichsbrücke das "Wiener Kommunalbad", das bald als das schönste Freibad Europas gelten sollte. 337 "Badezellen" (Kabinen), 859 "Kleiderschränke" (Garderobekästchen), ein Restaurant, ein Kaffeehaus, eine Tabak-Trafik, eine Wäscherei, mehrere Liegewiesen und Sonnenbäder standen den Gästen zur Verfügung. Im Kommunalbad fand 1898 das "Internationale Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Wettschwimmen statt", das als Vorläufer der Schwimmeuropameisterschaften gilt.

1900 richtete der Naturheilkundler Florian Berndl einen Badebetrieb am "Gänsehäufel" an der Alten Donau ein, der bald auf Kritik stoßen sollte, da es keine getrennten Badebereiche für Frauen und Männer gab. Aus diesem Grund wurde Berndls Pachtvertrag nicht verlängert und der Badebetrieb 1907 von der Stadt Wien übernommen. Das nach den Kriegszerstörungen 1950 wiedereröffnete und mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Gänsehäufel ist heute das meistbesuchte Freibad Wiens.

Link:
Strandbilder (Das Interessante Blatt vom 13. September 1917)

12. September 1917

Bleistiftzeichnung der Ruine Hartenstein.
Burg Hartenstein in Niederösterreich, Beschreibung und Ansicht der Ruine vor dem Umbau 1892, Bleistiftzeichnung von Karl Rosner 1884; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Die Burg Hartenstein liegt im niederösterreichischen Waldviertel, etwa 15 km nordwestlich von Krems. Vermutlich wurde die Burg zur Zeit der Kuenringer im 12. Jahrhundert erbaut und hielt im Dreißigjährigen Krieg 1645 einer Belagerung durch die Schweden stand. 1892 pachtete der Arzt Otto Pospischil die Anlage und richtete in der 1892 renovierten Vorburg eine Kaltwasserheilanstalt ein, während die Hauptburg zur Ruine verkam. Während der nationalsozialistischen Herrschaft diente das Gebäude als Jugendherberge; der Versuch einer Wiederbelebung des Kurbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg scheiterte. Heute ist die Burg Sitz eines Software Unternehmens.

Am 12. September 1917 würdigte die niederösterreichische "Land-Zeitung" das 25-jährige Bestehen der Kuranstalt in einem ausführlichen, gelegentlich ins Elegische gleitenden Artikel. Allerdings übte der Autor leise Kritik an den architektonischen Eingriffen:

"Und vielleicht wird kommen der Tag, wo sich das Alte mit dem Neuen so verallgemeinert haben wird, und die Übergänge durch etwaige vermehrte Zubauten, so wie durch den Edelrost der Zeit so ineinander greifen werden, dass wie bei so vielen alten Bauten, Kirchen und Palästen, die Verschiedenheit nicht mehr als unverzeihlicher Fehler getadelt, sondern als Musterbeispiel aufgestellt werden wird, für die Anpassungsmöglichkeit und Ergänzungsfähigkeit der aus verschiedenen Zeitepochen herrührenden Stilarten."

Link:
Zum 25jährigen Bestehen der Kuranstalt (Österreichische Land-Zeitung vom 12. September 1917)

11. September 1917

Porträtfoto des achtzigjährigen Kunstprofessors William Ungar aus dem Jahr 1917.
Porträtfoto des achtzigjährigen Kunstprofessors William Ungar aus dem Jahr 1917; © Wiener Bilder vom 9. September 1917

Der aus Hannover stammende Künstler William Unger kam 1872 nach Wien, wo er 1881 die Direktion der Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, heute das Museum für Angewandte Kunst in Wien (MAK) übernahm. 1894 wurde er als Professor an die Wiener Akademie der Bildenden Künste berufen.

Am 11. September 1917 "feiert er in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag", wie die "Wiener Bilder" berichteten. Unger verstarb 1932 im Alter von 95 Jahren in Innsbruck.

Links:
Zum 80. Geburtstag des Altmeisters der Radierkunst (Wiener Bilder vom 9. September 1917)
Einige Werke William Ungers

10. September 1917

Soldaten marschieren an einer Häuserfassade in Villach vorbei.
Eine österreichische Hochgebirgs-Kompanie mit Bergstöcken am Marsch durch Villach, 1917; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Kärnten war im Ersten Weltkrieg ein geographischer Sonderfall, da dessen südliche Außengrenze als einzige der heutigen Bundesländer über weite Strecken eine Frontgrenze war (zwar gab es auch in Tirol eine Front, die sich aber heute in Südtirol bzw. dem Trentino befindet). Wehte der Wind von Süden konnte man den Schlachtenlärm sogar noch in Villach und Klagenfurt hören. Das damals zu Kärnten gehörende Kanaltal wurde im Zuge der Kriegshandlungen verwüstet und zahlreiche Flüchtlinge auf andere Kronländer verteilt.

Im Sommer 1917 verlagerte sich die Frontlinie nach Süden, sodass Flüchtlinge aus Kärnten ab 10. September 1917 wieder zurück in ihre Heimatorte durften. Ausgenommen waren nur Flüchtlinge aus den frontnahen zum Bezirk Villach gehörenden Gemeinden Leopoldskirchen (heute: San Leopoldo Laglesie), Malborghet (heute: Malborghetto Valbruna), Pontafel (heute: Pontebba), Saifnitz (heute: Camporosso) und Uggowitz (heute: Ugovizza) – alle waren damals mehrheitlich slowenischsprachige Orte. Mittellosen Flüchtlingen wurden von der "Zentralstelle der Fürsorge der Kriegsflüchtlinge" bzw. deren Zweigstellen Freifahrtscheine für eine kostenlose Bahnfahrt in den jeweiligen Heimatort ausgestellt.

Links:
"Südtirol, das Küstenland, Kärnten und Dalmatien für Flüchtlinge frei!"  (Fremdenblatt vom 10. September 1917)
Weiterlesen: 1914/2014 – Kärnten: Die Frontstadt Kötschach-Mauthen

09. September 1917

Postkarte eines Einkehrgasthofes im Wald mit Gastgarten
Die ehemalige "Einsiedelei" in Eggenberg bei Graz zwischen 1905 und 1910; © GrazMuseum, Postkartensammlung

Am 9. September 1917 machte die Meldung die Runde, dass das beliebte Ausflugslokal "Einsiedelei" in Eggenberg bei Graz geschlossen wurde, da Diebe "die Platten fast aller Tische losgerissen und das Holz weggetragen haben." Im vierten Kriegsjahr herrschte an fast allen Verbrauchsgütern Mangel, sodass sogar Holz streng rationiert wurde. Dies hatte zur Folge, dass Diebstähle zunahmen.

Die "Einsiedelei" lag hinter dem Schloss Eggenberg nahe an der Endstation der Straßenbahnlinie 5, die im März 1900 in Betrieb ging. Beliebt war auch die in der Nähe der Gastwirtschaft liegende, kleine Tropfsteinhöhle, die an heißen Tagen Abkühlung versprach. An das beliebte Ausflugslokal erinnern heute nur mehr Reste des Fundamentes und Inschriften auf einigen alten Bäumen.

Link:
Schließung der Einsiedelei (Grazer Tagblatt vom 9. September 1917)

08.September 1917

Mehrere Frauen stellen sich an einem Markstand an, um Kartoffeln zu erwerben.
Kartoffelverkauf am Wiener Naschmarkt, Foto vom 8. September 1917; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Im Sommer 1917 wurden in den österreichischen Kronländern die Erdäpfel rationiert und der größte Teil der Ernte behördlich requiriert. Landwirten wurde es behördlich verboten Kartoffeln direkt an Endverbraucher zu verkaufen. Dies traf insbesondere die urbane Bevölkerung, die sich wegen der angespannten Versorgungslage im Krieg immer öfter direkt bei Landwirten mit den notwendigsten Lebensmitteln eindeckte. Kartoffeln durften nunmehr ausschließlich mit einem von der "Kriegsgetreideverkehrsanstalt" ausgestellten Transportschein mitgeführt werden. Personen, die die Gendarmerie oder Finanzwache bei der Verbringung von Erdäpfeln ohne Transportschein antraf, wurden die Lebensmittel abgenommen, außerdem wurden empfindliche Geldstrafen verhängt.

Link:
Das Kartoffelunglück (Böhmerwald Volksbote im September 1917)
Weiterlesen: Den Mangel verwalten

07. September 1917

Zwei Fußballspieler während eines Spiels.
Ein scharfer Schuss aufs Tor; © Illustriertes Sportblatt vom 7. September 1917

Am 7. September 1917 berichtete das Illustrierte Sportblatt über ein "Wettspiel in der Kriegsgefangenschaft". Im Kriegsgefangenen-Lager der ostsibirischen Stadt Werchne-Udinsk fand demnach ein Fußballwettspiel zwischen österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen und einer russischen Mannschaft aus Realschülern statt. Nach dem Pausenstand von 2 zu 2 endete das Match 4 zu 4 unentschieden. Jeweils 4 der österreichisch-ungarischen Spieler stammten aus Budapest und Wien, die anderen kamen aus Karlsbad, Konstanz und Komotau. Das "Kriegsgefangenenblatt" aus Werchne-Udinsk, das dem Illustrierten Sportblatt als Quelle diente, berichtete abschließend, dass alle 75 Wiener Kriegsgefangenen "wohlauf" wären.

Rezente Forschungen ergeben, dass die russischen Behörden im Ersten Weltkrieg in Bezug auf die Kriegsgefangenen – trotz immer wieder auftretender Missstände – bemüht waren die Haager Landkriegsordnung einzuhalten und den Gefangenen Sport und kulturelle Betätigung ermöglichten.
Der Historiker Georg Wurzer stellte fest: "Insgesamt läßt sich sagen, dass die russischen Behörden sich im Ersten Weltkrieg bemühten, die international anerkannten Normen zu erfüllen."

Links:
Ein Wettspiel in der Kriegsgefangenschaft (Illustriertes österreichisches Sportblatt vom 7. September 1917)
Weiterlesen: Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Russland im Ersten Weltkrieg (PDF)

06. September 1917

Eine Gruppe von Soldaten sitzt und posiert für ein Foto.
Arnold Schönberg im Militärlager Bruck an der Leitha während des Ersten Weltkrieges (unterste Reihe, 2. von rechts); © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Der dreiundvierzigjährige Komponist und Maler Arnold Schönberg wurde im September 1917 in die k.u.k. Armee einberufen. Er musste allerdings nicht an die Front, sondern diente von September bis Dezember 1917 in einer Militärkapelle. Berühmtheit erlangte er bereits vor Kriegsbeginn mit der Uraufführung des ersten atonalen Werks der Musikgeschichte "II. Streichquartett op. 10". Das Konzert führte in Wien zu einem Skandal. In Bruck an der Leitha komponierte Schönberg für einen launigen Kameradschaftsabend die Marsch-Parodie "Die eiserne Brigade".

Bruck an der Leitha war damals eine niederösterreichische Grenzstadt, Bruckneudorf mit dem Bahnhof sowie die militärischen Anlagen befanden sich bereits östlich der Leitha in Ungarn ("Transleithanien")

Link:
Plan von Bruck an der Leitha und Umgebung vor dem Ersten Weltkrieg