Die Website zum Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 wird nicht mehr aktualisiert, steht aber bis auf weiteres als Nachlese zur Verfügung.
Republik Österreich Logo
Seitenpfad
Ihre Position: Oesterreich100.at - Veranstaltungsdetails
Inhalt

Stadt ohne Seele. Wien 1938

Stadt ohne Seele
Kategorie:
Buchveröffentlichung (Medienveröffentlichung)
MedieninhaberIn, HerausgeberIn, AutorIn:
Manfred Flügge
Verlag:
Aufbau Verlag
Erscheinungsjahr:
2018
ISBN/ISSN
978-3-351-03699-7
Preis:
€ 25,00
Link zur Bestell-/Bezugsmöglichkeit:

Weitere Informationen:

Flügge versucht, die Atmosphäre in Wien vor diesen "Iden des März" einzufangen, berichtet über den Ständestaat zwischen 1934 und 1938, den Hans Weigel als "die schlampertste Diktatur der Welt" bezeichnet hat.

Mit großer Sorgfalt beleuchtet er die vielschichtige Persönlichkeit Kurt Schuschniggs, der nicht erkannte, von wie vielen Feinden und Verrätern er umgeben war, der Seiß-Inquart für einen anständigen Katholiken hielt, der auf die Macht der Kirche vertraute und in den dramatischen Tagen die Hilfe der Linken ablehnte. Er war ein Zauderer, der aber immer das Beste für Österreich wollte und doch den Untergang nicht aufhalten konnte.

Auch Kurt Schuschniggs Gefangenschaft während des gesamten Krieges wird geschildert. Das Buch geht auch Adolf Hitlers Verhältnis zu Wien nach. Hitler, der Meister der Selbststilisierung, der in Wien begeistert die Opern Richard Wagners als Gesamtkunstwerke erlebte und sich viel davon für seine späteren Inszenierungen abschaute, dessen ästhetisches Modell Wagners Parsifal war und der Karl May glühend verehrte. Hitler hatte mit Wien keine Rechnung offen, doch passte seine Zeit in Wien nicht in das Bild seiner propagandistischen Neuerfindung. Anders gesagt: Es ist erstaunlich, wie radikal Hitler in "Mein Kampf" log. Auch Hitlers Antisemitismus ist nicht unbedingt auf seine Wiener Zeit zurückzuführen, minutiös werden die Tage bis zum 15. März 1938 geschildert, Hitlers Angst vor einer Volksabstimmung in Österreich, der gar nicht so perfekt durchgeführte "Einmarsch", die Rolle der Kirche vor und nach dem Anschluss werden zusätzlich aufgegriffen.

Als unmittelbare Folge des 11. März 1938 war ein Sechstel der Wiener Bevölkerung rechtlos, ja vogelfrei. Die Gräuel und Misshandlungen werden in diesem Buch nicht ausgespart. In den ersten sieben Tagen nach dem "Anschluss" wurden 600 Selbstmorde registriert, 14.000 Menschen wurden verhaftet, 8.000 Beamte entlassen und Berufsverbote für jüdische Künstler, Journalisten, Akademiker, Anwälte, Ärzte und Lehrer ausgesprochen. Aber auch katholische Vereine wurden aufgelöst und katholische Funktionäre nach Dachau deportiert.  Dadurch wurden über 48.000 Wohnungen "frei".

Das Buch berichtet nicht zu Letzt von den Musikern, Dichtern und Denkern, ihren Schicksalen auf der Flucht, von den Mitläufern und Profiteuren des Systems, von Widerstand, Flucht und Auslöschung, von Tragödien unermesslichen Ausmaßes, von Schuld und sehr wenig Sühne.