Die Website zum Gedenk- und Erinnerungsjahr 2018 wird nicht mehr aktualisiert, steht aber bis auf weiteres als Nachlese zur Verfügung.
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Ihre Position: Oesterreich100.at - Von Tag zu Tag 1917 bis 1919
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Von Tag zu Tag 1917 bis 1919

08.September 1917

Mehrere Frauen stellen sich an einem Markstand an, um Kartoffeln zu erwerben.
Kartoffelverkauf am Wiener Naschmarkt, Foto vom 8. September 1917; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Im Sommer 1917 wurden in den österreichischen Kronländern die Erdäpfel rationiert und der größte Teil der Ernte behördlich requiriert. Landwirten wurde es behördlich verboten Kartoffeln direkt an Endverbraucher zu verkaufen. Dies traf insbesondere die urbane Bevölkerung, die sich wegen der angespannten Versorgungslage im Krieg immer öfter direkt bei Landwirten mit den notwendigsten Lebensmitteln eindeckte. Kartoffeln durften nunmehr ausschließlich mit einem von der "Kriegsgetreideverkehrsanstalt" ausgestellten Transportschein mitgeführt werden. Personen, die die Gendarmerie oder Finanzwache bei der Verbringung von Erdäpfeln ohne Transportschein antraf, wurden die Lebensmittel abgenommen, außerdem wurden empfindliche Geldstrafen verhängt.

Link:
Das Kartoffelunglück (Böhmerwald Volksbote im September 1917)
Weiterlesen: Den Mangel verwalten

07. September 1917

Zwei Fußballspieler während eines Spiels.
Ein scharfer Schuss aufs Tor; © Illustriertes Sportblatt vom 7. September 1917

Am 7. September 1917 berichtete das Illustrierte Sportblatt über ein "Wettspiel in der Kriegsgefangenschaft". Im Kriegsgefangenen-Lager der ostsibirischen Stadt Werchne-Udinsk fand demnach ein Fußballwettspiel zwischen österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen und einer russischen Mannschaft aus Realschülern statt. Nach dem Pausenstand von 2 zu 2 endete das Match 4 zu 4 unentschieden. Jeweils 4 der österreichisch-ungarischen Spieler stammten aus Budapest und Wien, die anderen kamen aus Karlsbad, Konstanz und Komotau. Das "Kriegsgefangenenblatt" aus Werchne-Udinsk, das dem Illustrierten Sportblatt als Quelle diente, berichtete abschließend, dass alle 75 Wiener Kriegsgefangenen "wohlauf" wären.

Rezente Forschungen ergeben, dass die russischen Behörden im Ersten Weltkrieg in Bezug auf die Kriegsgefangenen – trotz immer wieder auftretender Missstände – bemüht waren die Haager Landkriegsordnung einzuhalten und den Gefangenen Sport und kulturelle Betätigung ermöglichten.
Der Historiker Georg Wurzer stellte fest: "Insgesamt läßt sich sagen, dass die russischen Behörden sich im Ersten Weltkrieg bemühten, die international anerkannten Normen zu erfüllen."

Links:
Ein Wettspiel in der Kriegsgefangenschaft (Illustriertes österreichisches Sportblatt vom 7. September 1917)
Weiterlesen: Die Kriegsgefangenen der Mittelmächte in Russland im Ersten Weltkrieg (PDF)

06. September 1917

Eine Gruppe von Soldaten sitzt und posiert für ein Foto.
Arnold Schönberg im Militärlager Bruck an der Leitha während des Ersten Weltkrieges (unterste Reihe, 2. von rechts); © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Der dreiundvierzigjährige Komponist und Maler Arnold Schönberg wurde im September 1917 in die k.u.k. Armee einberufen. Er musste allerdings nicht an die Front, sondern diente von September bis Dezember 1917 in einer Militärkapelle. Berühmtheit erlangte er bereits vor Kriegsbeginn mit der Uraufführung des ersten atonalen Werks der Musikgeschichte "II. Streichquartett op. 10". Das Konzert führte in Wien zu einem Skandal. In Bruck an der Leitha komponierte Schönberg für einen launigen Kameradschaftsabend die Marsch-Parodie "Die eiserne Brigade".

Bruck an der Leitha war damals eine niederösterreichische Grenzstadt, Bruckneudorf mit dem Bahnhof sowie die militärischen Anlagen befanden sich bereits östlich der Leitha in Ungarn ("Transleithanien")

Link:
Plan von Bruck an der Leitha und Umgebung vor dem Ersten Weltkrieg

05. September 1917

Soldat bewacht im Freien zahlreiche Kirchturmglocken
Glockenfriedhof in Wilten bei Innsbruck um 1917; © Glockenmuseum Grassmayr

Im Verlauf des Krieges wurden wegen des hohen Bedarfs an Bronze Kirchenglocken in ganz Österreich requiriert und auf sogenannten Glockenfriedhöfen gelagert. In Tirol betraf diese Maßnahme neun von zehn Kirchen. Nur vor dem Jahr 1600 gegossene Glocken blieben verschont. Im Herbst 1917 wurde bekannt, dass in Bälde sogar Kirchenorgeln wegen ihres Zinngehaltes für Kriegszwecke herangezogen werden sollten.

Obwohl sich eine Kommission unter der Leitung des Offiziers Alfred Walcher Ritter von Molthein um die Rettung kunsthistorisch wertvoller Metallgegenstände kümmerte, warnten die Mitglieder der Tiroler "Kommission für Kirchenmusik und bildende Kunst" mit Sitz in Brixen am 5. September 1917 vor einem unsensiblen Vorgehen der Behörden: "Schließlich möchten die gefertigten noch angelegentlichst darauf hinweisen, dass ein allzuradikales Aufräumen bei den Kirchenorgeln noch größere Verbitterung im Volke hervorrufen würde, als dies schon bei den Glocken der Fall war."

Link:
Gutachten betreffs der Heranziehung der Kirchenorgeln für Kriegszwecke (Der Tiroler vom 5. September 1917)

04. September 1917

Ensemble der Wiener Volksbühne im Herbst 1917
Alexander Moissi (erste Reihe, Mitte) und das Ensemble der Wiener Volksbühne im Herbst 1917; © Wiener Bilder, 9. September 1917

Der spätere Schauspieler Alexander Moissi wurde 1879 in Triest (damals Österreich-Ungarn) geboren, besuchte ein Internat in Graz und übersiedelte als 19-Jähriger nach Wien, wo er ein Gesangsstudium begann. Moissi wurde vom berühmten Burgschauspieler Josef Kainz entdeckt und unter seinem Förderer Max Reinhard zum Star. Frauen umschwärmten Moissi und berühmte Dichter, unter ihnen Franz Werfel, Gerhart Hauptmann, Franz Kafka und Stefan Zweig, bewunderten ihn.

Anfang September 1917 gab Moissi an der Wiener Volksbühne in der Nussdorferstraße 4 (ab 1925 "Colloseum Kino", heute ein Lebensmittel-Supermarkt) ein Gastspiel in Ibsens "Gespenster". Über dieses Gastspiel war unter anderem zu lesen, dass "nach jedem Aktschluss eine große Zahl schulpflichtiger Mädchen zu den Orchesterreihen stürmte und durch Beifallsrufe und unaufhörliches Händeklatschen, Tücherwinken usw. den ernsten Teil des Theaterpublikums belästigte."

Link:
Peinliche Szenen in einem Ibsendrama (Wiener Neues 8 Uhr Blatt vom 4. September 1917)