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Von Tag zu Tag – Heute vor 100 Jahren

21. Jänner 1919

Esperanto-Kurs, Landeck in Tirol, 1945
Esperanto-Kurs, Landeck in Tirol, 1945; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Am 21. Jänner 1919 konnte man sich im traditionsreichen Innsbrucker Gasthof "Grauer Bär" über die Kunstsprache Esperanto informieren und gleich den entsprechenden Sprachkurs buchen, wie der Allgemeine Tiroler Anzeiger ankündigte:

"Wegen des großen Interesses, das von Personen aller Gesellschaftsklassen Innsbrucks der Weltsprache Esperanto entgegengebracht wird, sieht sich die Leitung der Esperantogruppe Innsbruck veranlaßt, die bereits begonnenen Unterrichtskurse zu teilen, und zwar in einen Kurs für Anfänger und in einen für fortgeschrittene. In ersteren sollen jene Aufnahme finden, welche nicht nur Anfänger im Esperanto sind, sondern im allgemeinen außer ihrer Muttersprache keine anderen Sprachkenntnisse besitzen, während im letzteren alle jene aufgenommen werden können, welche bereits irgend eine andere Sprache beherrschen und dadurch auch in der Erlernung der Weltsprache Esperanto begünstigt sind, doch wird jedem Teilnahmer die Wahl des Kurses vollkommen freigestellt."

Heute wird die vor 132 Jahren vom polnischen Augenarzt Ludwig Zamenhof entwickelte Kunstsprache "Esperanto" weltweit von etwa 2 Millionen Menschen gesprochen. Zwar ist Esperanto in keinem Staat der Welt Landessprache – einen Versuch Esperanto als offizielle Landessprache zu etablieren gab es in dem von 1815 bis 1919 bestehenden Neural-Moreset (heute belgisch) –, wird aber vor allem von der Volksrepublik China stark gefördert. In Österreich war Esperanto insbesondere in der Zwischenkriegszeit sehr beliebt und galt als völkerverbindendes Friedensprojekt, das vor allem in der politischen Linken auf viel Zustimmung stieß. Während des Nationalsozialismus war Esperanto aus politischen Gründen verboten.

An den Schöpfer der Kunstsprache "Esperanto" Ludwig Zamenhof erinnert heute ein Denkmal am Wiener Karlsplatz.

Links:
"Esperanto"-Sprachkurse (Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 21. Jänner 1919)
Weiterlesen: Esperanto: Was wurde aus der völkerverbindenden Kunstsprache? (profil vom 9. Jänner 2018) 
Weiterlesen: Neutral-Moresnet – erster Esperantostaat der Welt 
Weiterlesen: Das Esperantomuseum der Wiener Nationalbibliothek 
Weiterlesen: Die Geschichte des Innsbrucker Gasthofs "Grauer Bär"

20. Jänner 1919

Der Frauenmörder Hugo Schenk 1884
"Der Frauenmörder Hugo Schenk. Nach der letzten photographischen Aufnahme im Polizeigefangenenhause"; © Morgen-Post vom 27. Jänner 1884

Anfang 1919 stand eine gewisse Johanna K., wie sie im Amtsblatt der Wiener Zeitung benannt wurde, vor Gericht, da sie sich an Diebstählen beteiligt hatte. Am 20. Jänner 1919 ärgerte sich die Illustrierten Kronen-Zeitung aber nicht über das diebische Verhalten der Angeklagten, sondern über etwas ganz anderes:

"Es geschieht zum erstenmal, daß das Amtsblatt in so zartfühlender Weise den Namen einer beschuldigten Person verschweigt. […] Jedenfalls bedeutet die Einführung der Anfangsbuchstaben eine Neuerung, von der man abwarten muß, ob sie sich als dauernde Einrichtung bewährt. […] Es wird vielleicht nicht so weit kommen, daß man von einem Mädchenmörder Hugo Sch. schreiben wird, um den Namen Schenk nicht zu veröffentlichen. Aber anderseits gibt es unter jenen Menschen, deren Namen in Kundmachungen veröffentlicht wird, gewiß hunderte von Personen, die dasselbe Anrecht auf Schonung haben wie Johanna K., deren Name so ängstlich geheimgehalten wird […] Vielleicht ist es nur ein Versuch, der bei dieser geheimnisvollen Johanna probeweise gemacht wurde, der aber nimmer wiederkehren wird."

Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass bis weit in die 1980er Jahre oft nicht nur die vollen Namen, sondern sogar die Adressen von Personen, über die berichtet wurde, veröffentlicht wurden. Das weltweite erste Datenschutzgesetz wurde erst 1970 im deutschen Bundesland Hessen verabschiedet. In Österreich dauerte es etwas länger: heute bildet das Datenschutzgesetz aus dem Jahr 2000 die Rechtsgrundlage für den Datenschutz hierzulande.

Der im Artikel genannte Hugo Schenk genoss, wie die meisten Personen damals, keinen Datenschutz. Gemeinsam mit seinem Komplizen Karl Schlossarek hatte Schenk 4 Frauenmorde verübt und wurde dafür am 22. April 1884 im Wiener Landesgericht hingerichtet. Durch seine Taten brachte er es auf eine gewisse Berühmtheit und wurde sogar in einem Wiener Lied von Kurt Sowinetz und Helmut Qualtinger besungen: "Die Mädchenmörder Hugo Schenk & Karl Schlossarek."

Links:
Das Vermögen der "Johanna K." Wer ist der rechtliche Eigentümer? (Illustrierte Kronen Zeitung vom 20. Jänner 1919)
Weiterlesen: Die Mädchenmörder Hugo Schenk & Karl Schlossarek (Tondokument)

19. Jänner 1919

Massenkundgebung für Deutschböhmen und Deutschmähren vor dem Wiener Rathaus 1919
"Massenkundgebung für Deutschböhmen und Deutschmähren: Nach einer Protestversammlung im Kolosseum ziehen die Teilnehmer unter der Führung der deutschböhmischen und deutschmährischen Abgeordneten vor das Wiener Rathaus, um für das Selbstbestimmungsrecht ihrer Länder zu demonstrieren"; © Das interessante Blatt vom 30. Jänner 1919

In Wien protestierten am 30. Jänner 1919 Sudetendeutsche (ein Sammelbegriff für die in Böhmen, Mähren und Schlesien lebende deutschsprachige Bevölkerungsgruppe) gegen den Verbleib ihres Siedlungsgebietes in der eben gegründeten Tschechoslowakei. Nach einer Protestversammlung zogen Tausende Demonstranten vor das Wiener Rathaus und forderten dort das Selbstbestimmungsrecht für die damals mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete:

"Am 19. d. M. fand in dem Saale des Kolosseums eine Kundgebung für die Deutschen der Sudetenländer statt. Eine überaus große Teilnehmerzahl zeigte, wie das Schicksal der dem tschecho-slowakischen Staat ausgelieferten deutschen Volksgenossen allen Schichten der Bevölkerung am Herzen liegt. Die imposante Kundgebung nahm einen ruhigen Verlauf und rechtfertigte das Vertrauen auf die Disziplin der Bevölkerung, die damit gegen jene Bestrebungen demonstrierte, die Deutschböhmen den Tschechen aus wirtschaftlichen Gründen angliedern will. Landeshauptmann Dr. Lodgmann führte in seiner Rede aus, daß die Deutschen Böhmens auf ihrem Selbstbestimmungsrecht beharren und nur als Freie mit Freien mit den Tschechen verkehren wollen, sich aber nie der slawischen Herrschaft beugen würden. Dr. Führer, der für die Sudetendeutschen sprach, erklärte, daß diese ihre Eigenart in Sprache und Sitte bewahren und ihre Kinder darin aufziehen wollten. Die Ausführungen der übrigen Redner bewegten sich in gleichem Rahmen. Es wurden schließlich zwei Resolutionen gefaßt, die eine den Staatsrat für Aeußeres aufzufordern, für Schaffung eines zwischenstaatlichen Verwaltungsgebietes aus dem ostmährisch-schlesischen Industriegebiete einzustehen, während in der zweiten gegen die Vergewaltigung der Deutschen der Sudetenländer durch den tschechischen Imperialismus Verwahrung eingelegt und für die Deutschen das Selbstbestimmungsrecht gefordert wurde."

Zwar sicherte der 14-Punkte-Plan des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson den Völkern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie das Selbstbestimmungsrecht zu, jedoch wurde dieses vor allem aus wirtschaftlichen Gründen immer wieder durchbrochen. Im Fall der mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete auf dem Boden von Böhmen, Mähren und Schlesien unterstützte die Entente weitgehend den tschechoslowakischen Standpunkt. Radikalere tschechische Forderungen, wie etwa eine Grenzziehung zwischen Österreich und der Tschechoslowakei entlang der Donau und teilweise sogar südlich der Donau, wurden allerdings verworfen.

Links:
Massenkundgebung für die Sudetendeutschen (Das interessante Blatt vom 30. Jänner 1919)
Weiterlesen: Sudetendeutsche (Austria Forum)

18. Jänner 1919

Erzherzog Ludwig Viktor, Abbildung in mittleren Jahren
Erzherzog Ludwig Viktor, Abbildung in mittleren Jahren, Fotograf: Anton Lentsch; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Am 18. Jänner vor hundert Jahren starb der letzte und jüngste Bruder Kaiser Franz Josephs, Erzherzog Ludwig Viktor, an den Folgen einer Lungenentzündung:

"Der jüngste Bruder des verstorbenen Kaiser Franz Josef, Erzherzog Ludwig Viktor, ist am 18. d. M. auf Schloß Kleßheim bei Salzburg im Alter von 77 Jahren gestorben. In seinen jüngeren Jahren hatte er bei der Statthalterei Salzburg zwei Jahre Dienst getan. Seine militärische Karriere führte ihn bis in die Charge eines Generals der Infanterie, obwohl er nie großes Interesse für militärische Dinge hegte. Größer war seine Teilnahme an der Kunst, er war in allen Ausstellungen zu sehen und Protektor zahlreicher Vereine. Im Herbste vorigen Jahres machte er eine schwere Lungenentzündung durch. Sein plötzlicher Tod scheint eine Folge der damaligen Erkrankung zu sein. Die Einsegnung fand am 21. d. M. vormittags statt, worauf die Leiche nach Siezenheim überführt wurde, wo die Beisetzung in einer vom Verstorbenen schon vor Jahren angekauften Grabstätte erfolgte."

Der 1862 geborene Ludwig Viktor war eine schillernde und von Skandalen umwobene Gestalt am kaiserlichen Hof. Seine Homosexualität war ein offenes Geheimnis und man traf ihn häufig im damaligen Wiener Centralbad an, das bis heute unter dem aktuellen Namen "Kaiserbründl" als Szenetreffpunkt dient. Als besonders skandalös wurde aber sein Hang zum Cross-Dressing angesehen, der Erzherzog ließ sich sogar in Frauenkleidung fotografieren.

Zunächst schlug Ludwig Viktor in üblicher Habsburg-Manier die militärische Laufbahn ein und wurde General der Infanterie. 1869 ernannte ihn Kaiser Franz Joseph zur Aufsichtsperson des Österreichischen Roten Kreuzes. Ludwig Viktors eigentliches Interesse galt aber der Architektur und Kunst, er ließ Palais erbauen, legte Kunstsammlungen an und förderte den Salzburger Kunstverein.

Von Zeitzeugen wurde er als spitzzüngig, intrigant und schwächlich beschrieben, aber auch als aufmerksam und loyal. Nach einer Schlägerei im Centralbad wurde Ludwig Viktor 1902 unter Kuratel gestellt, also entmündigt, und von seinem älteren Bruder Kaiser Franz Joseph aus Wien nach Salzburg verbannt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er dort auf Schloss Klessheim.

Links:
Erzherzog Ludwig Viktor † (Das interessante Blatt vom 30. Jänner 1919)
Heute vor 100 Jahren: Ludwig Viktor in Damenkleidung (1. Jänner 1919)
Weiterlesen: Ludwig Viktor – Erzherzog "Luziwuzi"

17. Jänner 1919

Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck
Das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck, 1903; © Österreichische Nationalbibliothek, Ansichtskarten Online AKON

Der beklagenswerte Bauzustand des Ferdinandeums in Innsbruck, eines der ältesten Museen Österreichs, bereitete dem Tiroler Anzeiger am 17. Jänner 1919 große Sorgen:

"Die einzigen Besucher, die sich jetzt im Ferdinandeum einzufinden pflegen, sind italienische Offiziere, wohl auch italienische Soldaten. Sie können nicht verleugnen, daß sie aus einem Lande kommen, dessen öffentliches Leben im hohen Zeichen der großen Kunst von zweieinhalb Jahrtausenden steht. Die Eindrücke, die unsere ungebetenen Gäste aus dem Süden hier gewinnen, dürfen aber leider für uns nicht sehr schmeichelhaft sein. Denn nicht allein die Vereinsamung des Museums, auch der Zustand in dem sich die Sammlungen darbieten, verraten, daß das 'Ferdinandeum' nicht geradezu das Hätschelkind der Innsbrucker Bürgerschaft bedeutet. Alles ist dicht verstaubt, die Glaswände der Vitrinen sind allzu lange nicht gereinigt, das Oberlicht der Bildersäle läßt nur mehr ein schmutziges Grau von der Decke herabrieseln. Auch die Anordnung der Sammlung schreit nach Erneuerung. Die meisten Galerien Europas sind heute nach dem Grundsatz der Schausammlungen ausgestellt; im Ferdinandeum aber sind noch die Wände bis hoch hinauf mit den Bildern förmlich tapeziert, ein Bildermagazin und wahrlich keine Augenweide! Der Kenner findet mit Glück kostbare Perlen heraus, der Laie geht betäubt und verstimmt an dieser Anhäufung von Bildern vorbei."

Das Museum wurde 1823 als "vaterländisches Museum für Tirol" gegründet. Der ursprüngliche Zweck des Hauses war daher die Sammlung von Kunstwerken vorwiegend von Tiroler Künstlerinnen und Künstlern. Da die Sammlung schnell wuchs, wurde 1845 das bis heute bestehende Museumsgebäude errichtet. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Pflege der Sammlung und des Gebäudes vernachlässigt; ein zusätzliches Problem stellten nach der Annexion Südtirols durch Italien die italienischen Forderungen nach Herausgabe einiger Objekte der Sammlung dar. Da das Museum aber von einem privaten Verein getragen wurde, konnte die Sammlung komplett erhalten werden; es wurden lediglich einige Objekte als vorübergehende Leihgaben an Südtiroler und Trienter Museen verbracht.

Heute ist im Ferdinandeum das Tiroler Landesmuseum untergebracht. Zum 175. Jubiläum 1998 wurde das Gebäude erweitert und ein neuer Tiefspeicher errichtet, 2003 entstand ein Erweiterungsbau. Nachdem im Jahr 2017 in Hall in Tirol das Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) der Tiroler Landesmuseen errichtet wurde, betreibt dort das Tiroler Landesmuseum Werkstätten und ein Depot.

Links:
Unser Ferdinandeum (Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 17. Jänner 1919) 
Der Verein Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum

16. Jänner 1919

Herr Franz Dörner und Frau Marie Dörner im Kreise ihrer Familie und Angestellten nach der Abschiedsfeier von ihrem Restaurant 'St. Hubertus''
"Herr Franz Dörner und Frau Marie Dörner im Kreise ihrer Familie und Angestellten nach der Abschiedsfeier von ihrem Restaurant 'St. Hubertus': 1. Herr Franz Dörner; 2. Frau Marie Dörner; 3. Herr Josef Dörner jun.; 4. Frau Mary Dörner"; © Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919

Anfang Jänner 1919 sperrte das St. Hubertus Restaurant in der Wiener Mariahilferstraße vorübergehend zu:

"Das Wiener Gastwirtgewerbe hat in der Geschichte der Stadt stets eine bedeutende Rolle gespielt. So gut wie in Wien wurde nirgends gegessen. Wiener Kellner fand man in jedem internationalen Fremdenverkehrsort. Die hohe Blüte dieses Gewerbes war in erster Linie der Tüchtigkeit seiner Angehörigen zu verdanken. Einer seiner berufensten Vertreter hat sich nun nach jahrzehntelanger verdienstvoller Tätigkeit zur Ruhe gesetzt. Herr Franz Dörner, der Inhaber der bekannten Restauration 'St. Hubertus', Wien, VI. Mariahilferstraße Nr. 49, hatte sich durch seine fachmännische Erfahrung und Tüchtigkeit bereits vor dem Kriege allgemeiner Wertschätzung erfreut. Diese hat während des Krieges seine Berufung zur Leitung der Offiziers- und Beamtenmesse des ehemaligen k.u.k. Kriegsministeriums zur Folge. Herr Dörner führte im Vereine mit seiner Gattin dieses stets wachsende Unternehmen in mustergiltiger Weise. Infolge des immer größer werdenden Menagestandes musste eine Filialmesse im Hotel National errichtet und schließlich auch das Stammlokal 'St. Hubertus' zum gleichen Zwecke herangezogen werden. Alle drei Unternehmungen, die einen Personalstand von 350 Personen erforderten, stellten an die Gesamtleitung gewaltige Aufgaben, die jedoch durch die Tatkraft und Geschäftskenntnis des Ehepaares Dörner zur vollsten Zufriedenheit gelöst wurden, was durch ein Dankschreiben des Kriegsministeriums seine Anerkennung fand."

Das St. Hubertus Restaurant wurde unter Franz Dörners Sohn Josef bald wiedereröffnet. Zu Weihnachten 1931 wurde das Lokal unter dem neuen Betreiber Robert Muhri von der steirischen Gösser Brauerei im "Jagdstil" neu ausgestattet und als Braugasthof geführt. Josef Dörner übernahm dafür das Café Bastei an der Ecke Schottengasse und Ring des 12. November, der heute Universitätsring heißt. Mittlerweile befindet sich dort eine Bankfiliale; in den Räumlichkeiten des ehemaligen St. Hubertus Restaurant wurde hingegen ein Erotikladen eingerichtet.

Link:
Abschiedsfeier des Restaurateurs Dörner (Das interessante Blatt vom 16. Jänner 1919) 

15. Jänner 1919

Adelige beim Wintersport in St. Anton am Arlberg
"Adelige beim Wintersport in St. Anton am Arlberg", Foto von Lothar Rübelt, ohne Jahr; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Heute vor hundert Jahren wurde im Verfassungsausschuss des Parlaments zum ersten Mal der Gesetzesantrag über die Abschaffung des Adels, der Titel und Orden samt damit verbundener Vorrechte diskutiert:

"Nach dem Referat des Nationalrats Winter kam in der Debatte die Ansicht zum Ausdruck, daß die höfischen Titel, dann alle jene, die nicht mit Amt oder Beruf zusammenhängen, abgeschafft werden sollten. Auf Kriegsauszeichnungen hat sich, wie auf eine Anfrage des Nationalrates Meyer festgestellt wurde, die Abschaffung nicht zu beziehen. Da der Vertreter der Staatskanzlei erklärte, daß diese daran sei, eine Gesetzesvorlage auf dieser Grundlage auszuarbeiten, sah der Ausschuß heute von einer Beschlußfassung ab und wird am 24. d. die Debatte über den sozialdemokratischen Antrag und den Gesetzentwurf auf einmal abgeführt werden."

Das Adelsaufhebungsgesetz wurde schließlich am 3. April 1919 einstimmig beschlossen und trat mit 10. April 1919 in Kraft. Aufgehoben wurde dabei das Recht Adelsprädikate, etwa "von", "Edler" oder "Erlauchter", zu verwenden; die Führung von Standesbezeichnungen wie "Fürst" oder "Graf" wurde so wie die Führung von Wappen ebenfalls untersagt. Ausserdem wurden auch bestimmte Titel und Anreden wie zum Beispiel "Geheimer Rat" oder "Exzellenz" abgeschafft. Zuwiderhandelnde konnten zu einer Strafzahlung von bis zu 20.000 Kronen (damals knapp 4.000,- Euro) oder zu Arrest bis zu sechs Monaten verurteilt werden.

Das Adelsaufhebungsgesetz hat zwar bis heute Gültigkeit; da der Bußgeldbetrag aber nie wertangepasst wurde und nach wie vor der alte Kronenbetrag im Gesetzestext steht, beträgt die Maximalstrafe heute nur mehr 14 Cent. Die letzte Verurteilung erfolgte 2007, wobei die ursprünglich verhängte Höchststrafe im Berufungsweg auf 10 Cent reduziert wurde.

Links:
Abschaffung von Adel, Titel und Orden (Neuigkeits-Welt-Blatt vom 15. Jänner 1919) 
Weiterlesen: Adelsaufhebungsgesetz (Rechtsinformationssystem RIS)
Weiterlesen: Höhere Strafen für "Adelige" gefordert (Die Presse vom 23. April 2015)

14. Jänner 1919

Soldaten auf Rodeln grüßen das neue Jahr
"Ein Gruß von der Fliegerkompagnie... Mit besten Neujahrswüschen eingesandt von Heinrich Szokol"; © Illustrierte Kronen-Zeitung vom 14. Jänner 1918

Am 14. Jänner 1919 veröffentlichte die Illustrierte Kronen-Zeitung einen Neujahrsgruß, den Korporal Heinrich Szokol im Namen der mehrheitlich böhmischen Fliegerkompagnie 29 zur Jahreswende 1918/19 abgab: "4 lüftige Wiener v. d. k.u.k. Fliegerk. 29".

Die etwa 180 Mann starke Fliegerkompagnie 29 ("FLIK 29") war zu Kriegsbeginn in Stansilau in Galizien, dem heute ukrainischen Iwano-Frankiwst, stationiert. Nach ihrer Umbenennung in "FLIK 104 G" ("G" steht für "Großflugzeug-Kompagnie") wurde die Fliegerkompagnie 1918 nach Rovereto an die italienisch-österreichische Front verlegt.

Link:
Ein Gruß von der Fliegerkompagnie (Illustrierte Kronen-Zeitung vom 14. Jänner 1919)

13. Jänner 1919

Die Begleitmannschaft des ersten britischen Lebensmittelhilfszuges vor dem Wiener Rathaus am Vormittag des 14. Jänner 1919
Die Begleitmannschaft des ersten britischen Lebensmittelhilfszuges vor dem Wiener Rathaus am Vormittag des 14. Jänner 1919; Foto von Richard Hauffe © Das interessante Blatt vom 23. Jänner 1919

Am 13. Jänner 1919 traf in den späten Abendstunden der erste britische Hilfszug mit Lebensmitteln für die Wiener Bevölkerung am Nordwestbahnhof in Wien-Leopoldstadt ein. Besonderes Aufsehen erregte tags darauf die englische Militärmusik, die klingenden Spiels durch die Taborstraße und über die Marienbrücke zum Wiener Rathaus zog, wo die englische Abordnung vom Wiener Bürgermeister Weiskirchner empfangen wurde. Die Illustrierte Kronen-Zeitung berichtete:

"Der Zug hat unter der Bevölkerung nicht geringes Aufsehen erregt und die Engländer wurden von den Passanten freundlichst empfangen; wußte man ja bereits, daß es sich um die Begleitmannschaft des ersten englischen Lebensmittelzuges für die Armen Wiens handelt. Das Detachement steht unter der Führung eines Majors und wird voraussichtlich vier Tage in Wien bleiben [...] Major Dethell erklärte als Sprecher der Abordnung, daß der Lebensmittelzug ein Geschenk des englischen Armeeoberkommandos in Italien sei, gedacht als Liebesgabe an die Wiener. Hierin solle eine Anerkennung liegen für die sehr gute und humane Behandlung, welche die Deutschösterreicher und besonders die Wiener im Gegensätze zu den Preußen während des Krieges den englischen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten haben angedeihen lassen [...] Major Bethell stellte die Ankunft weiterer dreier Lebensmittelzüge in der gleichen Weise in Aussicht. Bürgermeister Dr. Weiskirchner brachte den Dank der Gemeinde hiefür zum Ausdrucke und beauftragte sofort den Magistratsrat Dr. Roßkopf mit der Ausarbeitung eines Verteilungsplanes, welcher dem Kommandanten der englischen Mission zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Während die Offiziere im Rathause weilten, erwartete die englische Kompagnie mit der Musikkapelle auf dem Rathausplatz ihre Rückkehr. Nachdem diese erfolgt war, wurde eine Marschformation gebildet und unter Vorantritt der Musikkapelle marschierten die englischen Soldaten zum Staatsamt für Heerwesen, dem früheren Kriegsministerium. In allen Straßen, durch die die Engländer marschierten, bildete das Publikum Spalier und der Zuzug von Menschen, die, ähnlich wie bei der 'Burgmusik', mitzogen, wurde immer dichter, so daß an manchen Stellen der Verkehr unterbrochen wurde und alle Fahrzeuge stehen bleiben mußten."

Link:
Ankunft des englischen Lebensmittelzuges (Illustrierte Kronen-Zeitung vom 15. Jänner 1919)

12. Jänner 1919

Transportable Heizanlage für Garagen, 1919
Transportable Heizanlage für Garagen; © Allgemeine Automobil-Zeitung vom 12. Jänner 1919

An einem kalten Wintertag am 12. Jänner 1919 berichtete die Allgemeine Automobil-Zeitung über ein Problem, das Autofahrer in kühlen Regionen auch 100 Jahre später immer wieder vor Probleme stellt, nämlich die Garagenheizung:

"Die Frage der Wartung des Automobils im Winter und seine zweckmäßige Einstellung in Garagen ist zwar jetzt wieder aktuell, da der private Automobilverkehr wieder freigegeben ist. Wenn nun auch noch nicht alle Automobile im Verkehr sind, sondern in Garagen auf 'bessere Benzinzeiten' warten müssen, so macht die Kälte in ihrer schädlichen Wirkung auf das Automobil doch keinen Unterschied zwischen einem Auto, das nur temporär und einem solchen, das ständig in der Garage ist. So haben denn die nachfolgenden Bemerkungen auch bei dem derzeit aus verschiedenen Gründen voll eingeschränkten Automobilverkehr praktischen Nutzen [...] Es gibt nun verschiedene Methoden der Garagenheizung: Die einfachste ist wohl die, daß in einer Ecke des Raumes ein kleiner mit Kohlen beheizter Ofen aufgestellt wird, der allerdings nur jenen Teil wirklich erwärmt, der nicht allzuweit von ihm entfernt ist. Diese Art der Heizung ist aber wegen der Feuersgefahr nicht sehr empfehlenswert [...] Das beigegebene Bild zeigt eine transportable Heizanlage für Garagen, die für Kohlenfeuerung eingerichtet ist, wobei die Warmwasserleitung sich selbsttätig regelt. Man sieht einen kleinen Ofen mit Wasserbehälter und einer Anzahl von Heizrohren, die die Hitze an den ganzen Garagenraum abgeben. Solche kleine transportablen Heizanlagen werden in amerikanischen Garagen häufig verwendet. Der Ofen verbraucht im Tage nicht mehr als um 5 Cent (25 Heller) Kohle, denn wenn das Wasser einmal erhitzt ist, kann es ohne besonderen weiteren Wärmeaufwand auf einer gewissen Temperatur gehalten werden. Der Ofen wird in der Früh angeheizt, während des Tages aber wartet er sich sozusagen selbst."

Link:
Tragbare Heizvorrichtung für Garagen (Allgemeine Automobil-Zeitung vom 12. Jänner 1919)