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Von Tag zu Tag – Heute vor 100 Jahren

21. September 1917

Gastwirtschaft Hofwirt in Mattighofen
Die heute noch bestehende Gastwirtschaft Hofwirt in Mattighofen am Stadtplatz 18, ca. 1920; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Am 19. September beschlossen die Kaufleute in Mattighofen in Oberösterreich die Ladenschlusszeit auf Kriegsdauer jeden Sonntag bereits auf 12 Uhr zu Mittag herabzusetzen. Bis zum Ende der Monarchie galten tägliche Ladenöffnungszeiten von fünf Uhr in der Früh bis 20 Uhr Abends, im Lebensmittelhandel sogar bis 21 Uhr. Die tägliche Arbeitszeit dauerte bis zu 14 Stunden, in Ausnahmefällen sogar länger. Die Sonntagsruhe wurde bereits 1895 geregelt, allerdings galten zahlreichen Ausnahmen, insbesondere auch für die Lebensmittelbranche. Bis zum Ende der Monarchie wurden arbeitsrechtliche Regelungen eher nachlässig beachtet und oft gebrochen. 1908 erhob beispielsweise das k.k. Handelsministerium, dass 35% aller österreichischen Kinder unter Missachtung der Gewerbeordnung zu Arbeitsleistungen herangezogen wurden, wobei knapp die Hälfte dieser Kinder jünger als elf Jahre war.

Links:
Sonntagsruhe in Mattighofen (Neue Warte am Inn vom 21. September 1917)
Weiterlesen: Die Entwicklung des Arbeitsrecht in Österreich

20. September 1917

Ein militärisches Orchester spielt im Wiener Prater
Das "Schramml-Terzett" des Infanterie Regiments Nummer 4 "Hoch- und Deutschmeister" spielt im Rahmen der 2. Kriegsausstellung im Wiener Prater; © Wiener Bilder vom 16. September 1917

Im Kaisergarten im Wiener Prater, an dessen Rand sich heute ein Planetarium befindet, stand bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges der Erlebnispark "Venedig in Wien". Die englischen Eigentümer wurden nach Kriegsbeginn enteignet. Um Platz für "Kriegsausstellungen" zu machen wurden Anfang 1916 die letzten Reste "Venedigs in Wien" von russischen Kriegsgefangen abgetragen (es herrschte Mangel an einheimischen Arbeitern).

Von Mai bis Oktober 1917 fand im Kaisergarten die zweite Kriegsausstellung statt, die etwa eine Million Besucherinnen und Besucher anlockte und deren Einnahmen Invaliden und Waisen zu Gute kamen. Ausgestellt wurden unter anderem erbeutete Waffen, Kriegsmaterialien, Ersatznahrungsmittel und Schlachtengemälde, während aus nachgebauten Schützengräben Musik erklang. Eine besondere Attraktion war ein U-Bootmodell aus Holz, das von Ausstellungsbesuchern gegen ein Entgelt mit Nägeln beschlagen werden konnte. Tombolas, Theater-, Musik- und Tanzveranstaltungen ergänzten das Programm. Wegen der "abnorm hohen Abendtemperaturen", so berichtete die Wiener Allgemeine Zeitung am 20. September 1917, konnten die beliebten Konzerte der Deutschmeisterkapelle im Rahmen der Kriegsausstellung bis auf Weiteres im Freien stattfinden.

Link:
Die Kriegsausstellung 1917 (Wiener Allgemeine Zeitung vom 20. September 1917)

19. September 1917

Weinlese bei Bozen in Südtirol
Weinlese bei Bozen in Südtirol, Vorzeichnung zum, "Kronprinzenwerk" von Hugo Charlemont, 1893; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Die k.k. Statthalterei für Tirol und Vorarlberg verordnete am 19. September 1917, dass 75% der Tiroler Weinernte von der "Wein-Übernahmsstelle" in Bozen (heute in Südtirol) übernommen werde, um das Heer und die Zivilbevölkerung ausreichend mit Wein zu versorgen. Zur Durchführung dieser Maßnahme wurde auf "gut-österreichisch" ein achtköpfiger Beirat eingerichtet, der aus Vertretern der Winzer, Weinhändler, Konsumenten sowie der Zivil- und Militärverwaltung bestand. Die Auswahl der Rebsorten blieb aber der "Wein-Übernahmsstelle" alleine vorbehalten. Zusätzlich wurde eine Kellersperre verhängt, sodass der Freiverkauf der verbleibenden 25% des Tiroler Weines erst nach dem 15. Dezember 1917 beginnen konnte.

Link:
Verordnung der k.k. Statthalterei für Tirol und Vorarlberg betreffend die Regelung des Weinverkehres (Vorarlberger Landes-Zeitung vom 19. September 1917)

17. September 1917

Plakat mit den Öffnungszeiten der Brot- und Mehlkommission
© Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv, 1916/17

Am 17. September verordnete die Wiener Statthalterei im Zuge von Energieeinsparungsmaßnahmen allen Gasabnehmer einen Fragebogen, der fristgerecht in den Amtsräumen der Brot- und Mehlkommissionen abgegeben werden musste: "Für die Übertretung der Vorschriften sind sehr strenge Strafen vorgesehen" warnten die Wiener Neuesten Nachrichten am 17. September 1917.

Schon etwas länger, seit 1. September 1917, gab es die "Petroleum- und Kerzenkarten", die vor allem die ärmsten Teile der Wiener Bevölkerung betrafen, die in ihren Wohnung kein Gas bezogen. Alleine in Wien lebten damals mehr als 500.000 "mindestbemittelte" Personen – das waren ca. 30% aller Haushalte! (Margarethe Grandner, Kooperative Gewerkschaftspolitik in der Kriegswirtschaft, Wien 1992)

Die zugewiesene Menge an Petroleum inklusive der einmal im Monat zustehenden Kerze reichte für gerade einmal 15 Minuten Beleuchtung am Tag.

Links:
Die neuen Beheizungs- und Beleuchtungsvorschriften (Wiener Neueste Nachrichten vom 17. September 1917) Weiterlesen: Weihnachten ohne Kerzen

16. September 1917

Karikatur stellt die Umstellung von der Sommerzeit zur Normalzeit dar
Der Wechsel von der Sommer- zur Normalzeit im Spiegel der gegen Italien gerichteten Kriegspropaganda; © Kikeriki vom 16. September 1917

Der 16. September war der letzte Tag des Jahres 1917 mit Sommerzeit. In der Nacht vom 16. Auf den 17. September wurde zum zweiten Mal in der Geschichte von der Sommer- zur Normalzeit gewechselt. Schon 1916 führten Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich als erste Staaten weltweit die Sommerzeit ein, um die knappen Energieressourcen für die Kämpfe des Ersten Weltkriegs effizienter einzusetzen. Großbritannien und Frankreich reagierten prompt und führten die Sommerzeit noch im selben Jahr ein.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Sommerzeit in Deutschland 1919 abgeschafft, während in der Republik Österreich nur eine kurzfristige Aussetzung erfolgte. 1920 trat die Sommerzeit hierzulande wieder in Kraft. Allerdings konnte sich das Bundesland Salzburg damit nicht anfreunden und setzte die Sommerzeit am 1. Mai 1920 wieder aus. Die Eisenbahnen verkehrten aber auch in Salzburg gemäß der im restlichen Bundesgebiet geltenden Sommerzeit.

Am 16. September 1917 wurde nicht nur über die zu Ende gehende Sommerzeit berichtet, sondern auch über die heute kurios anmutende Bestrebung eine "Winterzeit" einzuführen: Uhren sollten während der kurzen Wintertage eine Stunde zurückgedreht werden.

Link:
Normalzeit und Winterzeit (Neue Zeitung vom 16. September 1917)

15. September 1917

Bahnhofsgebäude in Feldkirch in Vorarlberg im Jahre 1899
Ansicht des Bahnhofs von Feldkirch in Vorarlberg, Postkarte aus 1899; © Public Domain

Schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde in Vorarlberg entlang der Grenze zur Schweiz eine mehrere Kilometer breite "Verbotszone" eingerichtet, die von Ortsfremden, insbesondere aber von Militärpersonen, darunter auch Soldaten, die aus dem Rheintal stammten, nicht betreten werden durfte. Innerhalb der Verbotszone, in der auch die Stadt Feldkirch lag, kam der Tourismus ganz zum Erliegen. Es war verboten von öffentlichen Wegen und Straßen abzuweichen und landwirtschaftlich genutzte Felder und Almen durften nur von Personen betreten und bewirtschaftet werden, denen ein amtlicher Passierschein ausgestellt wurde.

Der Grund für die Einrichtung der Verbotszone lag in der Angst der österreichischen Behörden vor Agenten feindlicher Mächte, die aus der neutralen Schweiz heraus operierend den Kontakt mit Personen im Grenzland suchten, um Informationen über die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Österreich zu erlangen. Das Einreiseverbot, das auch Soldaten betraf, die im Rheintal ansässig waren und ihren Heimaturlaub zuhause verbringen wollten, führte zu anhaltenden Protesten von Lokalpolitikern, unter anderem der Bürgermeister von Dornbirn und Bregenz.

Im Herbst 1917 war es endlich soweit: Am 15. September meldete der "Landbote von Vorarlberg" die Lockerung des Einreiseverbotes für Militärpersonen aus dem Vorarlberger Rheintal. Die Einreise in die Verbotszone wurde allerdings weiterhin streng kontrolliert: Urlaubsansuchen mussten mit langer Vorlaufzeit zur Überprüfung an das "Grenzschutzkommando Feldkirch" gerichtet werden und Personenkontrollen fanden in der eigens dafür eingerichteten "Urlaubskontrollstelle" in Bludenz statt.

Link:
Urlaubsreisen unserer Soldaten ins Rheintal (Landbote von Vorarlberg vom 15. September 1917)

14. September 1917

Eine um 1917 in die Wand einer Gefängniszelle geritzte Zeichnung eines Häftlings.
Eine um 1917 in die Wand einer Gefängniszelle geritzte Zeichnung eines Häftlings; © Öffentliche Sicherheit, Wien-Graz, 6/1921, S. 12

Albert Petrikovits, Redakteur des in Wien und der Steiermark erscheinenden Magazins "Öffentliche Sicherheit", veröffentlichte in den 1920er Jahren "Kerkerinschriften", also Graffitis, auf österreichischen Gefängniswänden. Folgende Inschrift aus 1917 schrieb Petrikovits einem Deserteur zu und folgerte: "Es grollt die soziale Revolution aus diesem Aufschrei":

Wir kämpfen nicht für Kaiser
Wir kämpfen nicht für Gott!
Wir kämpfen für die Reichen
Die Armen schlägt man tot!

Während die österreichische Armee Deserteuren vor allem politische Motive unterstellte, waren die tatsächlichen Motive zumeist viel trivialer und betrafen Hunger oder Kriegsmüdigkeit wie auch aus neueren Forschungen hervorgeht. Die österreichischen Armeebehörden überschätzten die politischen Motive, die sie v.a. mit "politischer Verhetzung" an der Heimatfront und kommunistischer ("bolschewistischer") Propaganda erklärten. Für letztere wurden insbesondere ab Herbst 1917 die aus russischer Kriegsgefangenschaft zu ihren Truppenkörpern heimkehrenden ehemaligen österreichischen Kriegsgefangen verantwortlich gemacht.

Link:
Keine dritte Desertion (Allgemeiner Tiroler Anzeiger am 14. September 1917 "aus dem Gerichtssaal")

13. September 1917

Große Gruppe junger Frauen und Männern posieren in Badeanzügen für ein Gruppenfoto.
"Eine lustige Gesellschaft im Strandbad Gänsehäufel" im unerwartet milden Herbst des Jahres 1917; © Das interessante Blatt vom 13. September 1917

Ende des 18. Jahrhunderts entstanden erstmals Freibäder an der Donau. Wohlhabende Wienerinnen und Wiener badeten in dem nach dessen Gründer dem Arzt Pascal Joseph Ferro benannten "Ferro-Bad" in der Nähe des Augartens, während weniger Wohlhabenden die kostenlosen "Armenbäder" zur Verfügung standen. 1810 wurde in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt das Dianabad errichtet, das nach einem Umbau 1842 über die größte Schwimmhalle Europas verfügte.

Im Zuge der Donauregulierung errichtete die Stadt Wien 1876 in der Nähe der Reichsbrücke das "Wiener Kommunalbad", das bald als das schönste Freibad Europas gelten sollte. 337 "Badezellen" (Kabinen), 859 "Kleiderschränke" (Garderobekästchen), ein Restaurant, ein Kaffeehaus, eine Tabak-Trafik, eine Wäscherei, mehrere Liegewiesen und Sonnenbäder standen den Gästen zur Verfügung. Im Kommunalbad fand 1898 das "Internationale Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Wettschwimmen statt", das als Vorläufer der Schwimmeuropameisterschaften gilt.

1900 richtete der Naturheilkundler Florian Berndl einen Badebetrieb am "Gänsehäufel" an der Alten Donau ein, der bald auf Kritik stoßen sollte, da es keine getrennten Badebereiche für Frauen und Männer gab. Aus diesem Grund wurde Berndls Pachtvertrag nicht verlängert und der Badebetrieb 1907 von der Stadt Wien übernommen. Das nach den Kriegszerstörungen 1950 wiedereröffnete und mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Gänsehäufel ist heute das meistbesuchte Freibad Wiens.

Link:
Strandbilder (Das Interessante Blatt vom 13. September 1917)

12. September 1917

Bleistiftzeichnung der Ruine Hartenstein.
Burg Hartenstein in Niederösterreich, Beschreibung und Ansicht der Ruine vor dem Umbau 1892, Bleistiftzeichnung von Karl Rosner 1884; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Die Burg Hartenstein liegt im niederösterreichischen Waldviertel, etwa 15 km nordwestlich von Krems. Vermutlich wurde die Burg zur Zeit der Kuenringer im 12. Jahrhundert erbaut und hielt im Dreißigjährigen Krieg 1645 einer Belagerung durch die Schweden stand. 1892 pachtete der Arzt Otto Pospischil die Anlage und richtete in der 1892 renovierten Vorburg eine Kaltwasserheilanstalt ein, während die Hauptburg zur Ruine verkam. Während der nationalsozialistischen Herrschaft diente das Gebäude als Jugendherberge; der Versuch einer Wiederbelebung des Kurbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg scheiterte. Heute ist die Burg Sitz eines Software Unternehmens.

Am 12. September 1917 würdigte die niederösterreichische "Land-Zeitung" das 25-jährige Bestehen der Kuranstalt in einem ausführlichen, gelegentlich ins Elegische gleitenden Artikel. Allerdings übte der Autor leise Kritik an den architektonischen Eingriffen:

"Und vielleicht wird kommen der Tag, wo sich das Alte mit dem Neuen so verallgemeinert haben wird, und die Übergänge durch etwaige vermehrte Zubauten, so wie durch den Edelrost der Zeit so ineinander greifen werden, dass wie bei so vielen alten Bauten, Kirchen und Palästen, die Verschiedenheit nicht mehr als unverzeihlicher Fehler getadelt, sondern als Musterbeispiel aufgestellt werden wird, für die Anpassungsmöglichkeit und Ergänzungsfähigkeit der aus verschiedenen Zeitepochen herrührenden Stilarten."

Link:
Zum 25jährigen Bestehen der Kuranstalt (Österreichische Land-Zeitung vom 12. September 1917)

11. September 1917

Porträtfoto des achtzigjährigen Kunstprofessors William Ungar aus dem Jahr 1917.
Porträtfoto des achtzigjährigen Kunstprofessors William Ungar aus dem Jahr 1917; © Wiener Bilder vom 9. September 1917

Der aus Hannover stammende Künstler William Unger kam 1872 nach Wien, wo er 1881 die Direktion der Kunstgewerbeschule des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, heute das Museum für Angewandte Kunst in Wien (MAK) übernahm. 1894 wurde er als Professor an die Wiener Akademie der Bildenden Künste berufen.

Am 11. September 1917 "feiert er in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag", wie die "Wiener Bilder" berichteten. Unger verstarb 1932 im Alter von 95 Jahren in Innsbruck.

Links:
Zum 80. Geburtstag des Altmeisters der Radierkunst (Wiener Bilder vom 9. September 1917)
Einige Werke William Ungers