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Von Tag zu Tag – Heute vor 100 Jahren

21. Oktober 1918

Antonia "Toni" Dietrich, Mitglied des Neuen Wiener Komödienhauses
Antonia "Toni" Dietrich, Mitglied des Neuen Wiener Komödienhauses; © Der Humorist vom 21. Oktober 1918

Am 21. Oktober streute Der Humorist einem aufsteigenden Stern am Wiener Theaterhimmel tausende Rosen:

"Mehr als von jeder anderen Tätigkeit gilt von der künstlerischen das Wort: daß viele erwählt, doch wenige berufen sind. Unter diese Günstlinge der Musen zählt ganz entschieden die jugendliche Heroine Toni Dietrich, hervorgegangen aus der vorzüglichen Theaterschule Direktor Ernst Wielands. Es ehrt den Meister ebenso wie seine Schülerin, daß er deren Begabung zum Talent heranbildete und dies mehr als nur auf die übliche Schablone stellte, der leider vorwiegend unserem künstlerischen Nachwuchs eignet. Toni Dietrich zeigte Persönlichkeit als sie die ersten Schritte in die Öffentlichkeit des Bühnenlebens unternahm und es ist auch dem Direktor Höllering hoch anzurechnen, daß er seinem Kunstinstitute diese junge, vielverheißende Kraft gewann und für die nächsten zwei Jahre sicherte. Was Toni Dietrichs Können in vorausgegangenen Schülervorstellungen versprach, wird es später reichlich halten. Ihre Königin Elisabeth ('Könige'), Magda ('Heimat') und Vroni ('Meineidbauer') waren von eigener Persönlichkeit und großzügigem Auffassen der Rolle erfüllt und so darf wohl auch die Künstlerin zuversichtlich nach immer Höherem streben, sich an die Schwierigkeiten der Doppelrolle Marina-Thaisa der Shakespearschen Tragödie 'Perikles' wagen, die als Uraufführung demnächst im Neuen Wiener Komödienhause in Szene geht. Schon jetzt hebt ein Wettbewerben der Bühnenleiter um den Gewinn des aufstrebenden Bühnensternes Toni Dietrich an…"

Antonia Dietrich kam am 8. Jänner 1900 in Wien zur Welt, absolvierte 1917 die Schauspielschule des k.k. Hofburgtheaters. Sie debütierte in dem am 12. Oktober 1918 eröffneten Neuen Wiener Komödienhaus in der Wiener Nussdorferstraße 4, am Standort der ehemaligen Volksbühne (später befand sich hier das Kolosseum Kino, das 2002 einem Supermarkt weichen musste). Nach Ablauf ihres 2-jährigen Engagements holte Paul Wiecke die Dietrich an das Sächsische Staatstheater in Dresden, wo sie 1919 als "Gretchen" in Goethes Faust mit Anhieb zum Publikumsliebling avancierte.

Antonia Dietrich wurde auch für Filmrollen gebucht und stand 1923 im Film "So sind die Männer" mit einer anderen – später weltberühmten – Dietrich vor der Kamera, nämlich mit Marlene Dietrich. 1924 schrieb Antonia Dietrich mit ihrer Interpretation der Iphigenie auf Tauris Bühnengeschichte.

Im 2. Weltkrieg ausgebombt lebte sie kurze Zeit in Oberhessen, kehrte aber bereits 1945 in ihr geliebtes Dresden zurück, wo sie 1975 verstarb und am Dresdner Waldfriedhof beigesetzt wurde.

Links:
Toni Dietrich (Der Humorist vom 21. Oktober 1921)
Ausführliche Biografie Antonia Dietrichs (Sächsische Biografie)

20. Oktober 1918

Volkstrachten aus den 4 Nationen der österreichischen Reichshälfte 1918
"Selbstständig und doch vereint! Repräsentanten der vier großen, neuzuschaffenden Staaten in Österreich"; © Neuigkeits-Welt-Blatt vom 20. Oktober 1918

Nachdem Kaiser Karl in seinem "Völkermanifest" vom 16. Oktober 1918 die Gründung eines Bundesstaates auf dem Gebiet der österreichischen Hälfte der Doppelmonarchie verkündet hatte, befasste sich das ganze Land mit den verschiedenen damit verbundenen Fragen, seien es die Grenzziehungen, die Zukunft der polnischen Gebiete oder die prinzipielle Frage nach dem Trennenden und dem Gemeinsamen, so auch das Neuigkeits-Welt-Blatt vom 20. Oktober 1918:

"Namentlich die Mitteilung der Siedlungsgebiete der einzelnen Volksstämme, die wir aus unserm gestrigen Titelbild in anschaulicher Weise darstellten, wird mit dem größten Interesse verfolgt und ebenso beschäftigt man sich jetzt allgemein mit dem Wesen der Volksstämme überhaupt. Das äußerliche Bild derselben läßt sich nun zweifellos nicht besser darstellen als durch typische Figuren in der Tracht der bäuerlichen Bevölkerung der betreffenden Nationen. Die Kleidung in allen großen Städten ist zu sehr von der Weltmode beherrscht, um das Typische des betreffenden Volksstammes zum Ausdruck zu bringen. Anders die Bauerntracht. An ihr erkennt man leicht die Nation, der ihr Träger angehört, und so sehen wir Repräsentanten der vier großen, neuzuschaffenden Staaten auf unserm heutigen Titelbild dargestellt, und zwar Deutsche, Südslawen – die auf unserm Bild durch ein slowenisches Paar verkörpert sind – Ruthenen (Ukrainer) und Tschechen. Sie und vielleicht auch noch andere, wie die Italiener, Polen usw., sollen ihren selbständigen Staat erhalten, aber doch vereint sein unter der Oberhoheit des Hauses Habsburg."

Das Wort "Tracht" war ursprünglich eine allgemeine Bezeichnung für jegliche Bekleidung, die auf den althochdeutschen Begriff "draht(a)" zurückgeht, der "das, was getragen wird" bedeutet. Lokale Volkstrachten entwickelten sich ab dem 15. Jahrhundert in ländlichen Gebieten und waren unter anderem beeinflusst von lokal verfügbaren Materialien und den regional verschiedenen Arten diese zu verarbeiten.

Die Entstehung der "traditionellen" Trachten geht auf den im 19. Jahrhundert beginnenden Nationalismus zurück, als sich Angehörige verschiedener Volksgruppen auch äußerlich von den jeweils anderen abgrenzen beziehungsweise sich innerhalb der eigenen Gruppe bestätigt sehen wollten. Nach 1918 erlebte die Trachtenmode in der auf den alpinen Raum konzentrierten Republik Österreich einen großen Aufschwung und wurde von praktisch allen gesellschaftlichen Kreisen (vor allem in der Sommerfrische) getragen. Nach dem "Anschluss" 1938 untersagten die nationalsozialistischen Machthaber in einer ihrer ersten Ausgrenzungsmaßnahmen jüdischen Österreicherinnen und Österreichern das Tragen von Trachtenmode.

Der in letzter Zeit vor allem in Deutschland und Österreich wieder auflebende Brauch zu verschiedenen Gelegenheiten (Fantasie-)Trachten zu tragen, wird unter anderem als Abwehrreaktion auf die Globalisierung, auf Wirtschaftskrisen und die damit zusammenhängende Sehnsucht nach "der guten alten Zeit" erklärt.

Links:
Selbstständig und doch vereint! Repräsentanten der vier großen, neuzuschaffenden Staaten in Österreich (Neuigkeits-Welt-Blatt vom 20. Oktober 1918)
Heute vor 100 Jahren: Das Völkermanifest (18. Oktober 1918)
Weiterlesen: Die neue Lust am Dirndl (Neue Zürcher Zeitung vom 10. Jänner 2014)

19. Oktober 1918

Soldatenfriedhof mit Kriegerdenkmal in Oberdrauburg, Kärnten
Soldatenfriedhof mit Kriegerdenkmal in Oberdrauburg, Kärnten, 1916: Begräbnis eines gefallenen Korporals, möglicherweise Franz Krolikiewicz vom Infanterieregiment 57; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Die Arbeiter-Zeitung entwickelte sich im Laufe des Weltkriegs zu einem der regierungskritischsten Blätter der Monarchie. Immer wieder wurde – sofern es die Pressezensur zuließ – Kritik an der Militärverwaltung geübt, der unter anderem Ineffizienz, Standesdünkel und Unsensibilität vorgeworfen wurde. Am 19. Oktober 1918 prangerte die Arbeiter-Zeitung den herzlosen Umgang des Militärs mit den Angehörigen eines Soldaten an, der durch rücksichtslose Behandlung im Dienst verstarb: Richard Hanusch hatte an der Front eine Gasvergiftung erlitten, war in Wien in Behandlung und wurde trotz seiner geschwächten Lunge und mit hohem Fieber für feldtauglich erklärt. Am 2. Oktober 1918 trat er seinen Dienst in Ebenfurt an, erlitt einen Zusammenbruch und wurde ohnmächtig in das Kriegsspital Wiener Neustadt gebracht, wo er verstarb. Anna Hanusch, die Schwester des Verstorbenen, schrieb folgenden Brief an die Arbeiter-Zeitung:

"Seine Familie hatte keine Nachricht. Ich, seine Schwester und unsere Mutti, waren in tausend Aengsten. Alle Tage warteten wir vergebens auf Nachricht. Endlich am 14. d. fuhr ich nach Ebenfurt nachzufragen, was eigentlich mit dem Bruder sei. Da sagte man mir, er liege mit hohem Fieber im Kriegsspital in Wiener-Neustadt. Ich ging drei Stunden bis dorthin und fragte nach meinem Bruder. Ich wurde in der Aufnahmskanzlei des Spitals an das Postfräulein gewiesen und dieses sagte mir kalt in das Gesicht, daß er gestorben und am Tage vorher begraben worden sei, ohne unser Wissen. Auf meine Frage, warum man uns nicht verständigt habe, sagte das Fräulein, man hätte nicht die Adresse gewußt und der Bursche hatte keine Auskunft geben können, weil er bewußtlos war. Aber damit wir rechtzeitig zum Begräbnis kommen können, habe man uns ein Telegramm geschickt. Woher hatten sie da die Adresse, die nach dem mir vorgewiesenen, Aufgabeschein stimmte? Dann wendete ich mich an den Offizier, der mir die Wertsachen hätte zurückgeben sollen. Der sagte, er müsse zuerst essen. Ich mußte verzweifelt warten, bis die Herren gespeist hatten. Nach einer halben Stunde ist der Offizier doch gekommen und auf meine Frage wegen des Telegramms, das nicht angekommen ist, sagte man mir, ich solle es auf der Post abholen. Es nütze mir dann ohnehin nichts mehr, wenn es zu spät sei. Der arme Bursch mußte sterben, ohne daß seine Lieben verständigt wurden und ihm vielleicht Trost bringen konnten. Mir blieb nichts übrig, als ihn im Friedhof zu besuchen."

Resignierend schloss die Arbeiter-Zeitung:

"Wir verstehen schon, daß aus dem Geiste des Militarismus heraus jeder Staatsbürger, den die Gesetze in die Zwangsjacke des Militarismus stecken, zur Nummer wird. Wir können es aber nicht verstehen, daß der Geist des Militarismus so alle Menschlichkeit ertöten kann. Wir fordern, daß der betreffende Kommandant von seiner vorgesetzten Militärbehörde verhalten werde, sich bei der Mutter des armen Jungen zu entschuldigen, und daß darüber hinaus allen Kommanden für solche Fälle gemessene Verhaltungsmaßregeln gegeben werden, dem Geiste der Menschlichkeit entsprechend."

Links:
K.u.k. Militärpietät (Arbeiter Zeitung vom 19. Oktober 1918)
Weiterlesen: Gefallenendenkmal in Oberdrauburg, Bezirk Spittal an der Drau, Kärnten

18. Oktober 1918

Karte des geplanten Bundesstaates Österreich
"Österreich – Ein Bundesstaat!"; © Neuigkeits-Welt-Blatt vom 19. Oktober 1918

Im Laufe des 17. Oktobers erreichte das Manifest Kaisers Karls über die Neugestaltung der österreichischen Reichshälfte der Monarchie, das sogenannte "Völkermanifest", die Zeitungsredaktionen und prägte am 18. Oktober die Titelseiten. Das Manifest, das die ungarische Reichshälfte nicht berührte, sah die Bildung von 4 Staaten auf nationaler Basis vor: einen "tschecho-slowakischen", einen "illyrischen" (oder "süd-slawischen"), einen "ruthenischen" (ukrainischen) und einen "deutsch-österreichischen Staat". Die polnischen Gebiete sollten aus dem Verband der Monarchie ausscheiden und dem neu gegründeten polnischen Staat übergeben werden, Triest war als Freihafen für alle 4 Staaten vorgesehen.

Für die Arbeiter-Zeitung kam das Manifest viel zu spät und hatte auch wenig Glaubwürdigkeit, da es erst unter Druck des amerikanischen Präsidenten Wilson zustande gekommen war. Das Fremden-Blatt war hingegen vorsichtig optimistisch und schrieb von der bevorstehenden Umwandlung Österreichs in einen Bundesstat als einer "großen, schönen, aber auch schweren Aufgabe". Die deutschsprachigen Blätter befassten sich naheliegender Weise mit dem Territorium Deutsch-Österreichs und blickten dabei vor allem auf das Schicksal der von Deutschsprachigen bewohnten Gebiete in Böhmen und Mähren. Die neue Südgrenze in Kärnten und der Steiermark entlang der Drau wurde aber – abgesehen von den wenig einflussreichen südsteirischen und Kärntner Zeitungen – kaum diskutiert.

Was aber am 18. Oktober immer mehr zur Gewissheit wurde, war das wohl unvermeidliche Ende der alten Doppelmonarchie: Aus Ungarn wurde von der unmittelbar bevorstehenden Unabhängigkeitserklärung berichtet, die Weigerung der tschechischen und südslawischen Reichsratsabgeordneten an der Gestaltung des neuen Bundesstaates auf Grundlage des "Völkermanifests" mitzuarbeiten verhieß wenig Gutes und aus Kärnten wurde zur Abwehr der "sinnlosen Zerreissung […] der engeren Heimat" aufgerufen (Freie Stimmen vom 18. Oktober 1918):

"Wenn man die Zukunft der österreichisch-ungarischen Monarchie nach den Vorgängen im Abgeordnetenhause und in den Delegationen beurteilen wollte, müßte man sagen: es war einmal eine österreich-ungarische Monarchie. Tschechische Vertreter, Südslaven aus Polen reden in Wien von Oesterreich nur mehr als von einem gewesenen Staate, betrachten sich bereits als Angehörige des selbständigen 'tschecho-slowakischen' oder des 'südslavischen' oder des 'polnischen Staates'. Die tschechischen Verräter in der Armee werden als Helden gefeiert, die wirklichen tschechischen Helden aber mit keinem Worte erwähnt. In Prag und in Krakau verhandeln die Tschechen und die Polen über die zukünftigen Staatswesen ihrer Nationen, ähnliches beginnen die Südslaven. Der Kaiser hat letzten Montag 32 Abgeordnete aller Parteien einzeln empfangen und von jedem seine politischen Zukunftspläne erfragt. Aber geändert wurde dadurch an den trüben Aussichten für die Zukunft nichts. Es hat den Anschein, als ob das Abgeordnetenhaus sich allmählich von selbst auflösen würde. Ansätze hiezu sind schon da."

Links:
Oesterreichs Zukunft (Volkspost vom 18. Oktober 1918)
Heute vor 100 Jahren: 32 Reichsratsabgeordnete bei Kaiser Karl (15. Oktober 1918) 

17. Oktober 1918

Rudolf Jeremias Kreutz
Rudolf Jeremias Kreutz; © Radio Wien vom 15. Februar 1929

Die Muskete veröffentlichte am 17. Oktober 1918 einige Glossen zur Zeit. Diese wurden von Rudolf Jeremias Kreutz (eigentlich Rudolf Křiž beziehungsweise Krisch) verfasst, der sich während des Ersten Weltkriegs zum Pazifisten entwickelte. In seinen Betrachtungen kritisierte er unter anderem die "Erweckung des Bestientriebs der Masse" und die daran nicht ganz unschuldigen Publizistik:

"Das Böse ist des Menschen keimfähigste Zelle. Darum ist es ein Verbrechen an der Menschheit, sie auch noch künstlich zu befruchten, wie es durch die Erziehung zum Kriege geschieht. Sache der Zukunft ist es daher, das spärliche Gute im Menschen sorgsam zu pflegen, jene aber erbarmungslos an Leib und Leben zu strafen, die den Bestientrieb der Masse wecken, um an seinen Erfolgen reich oder unsterblich zu werden."

"Ein schöner Traum: Die Publizistik aller Länder veranstaltet ein Treibjagen auf das giftige Geschmeiß der Phrase. Sie vernichtet es und der Krieg stirbt den Hungertod, da ihm mit der Phrase sein Fleischlieferant entzogen wird. Die Wirklichkeit: Die Publizistik aller Länder macht die riesenhaftesten Anstrengungen, um erprobte alte Phrasen bei Kraft und Gesundheit zu erhalten. Sie gründet aber auch Mastanstalten, in welchen durch Zufuhr von Druckerschwärze sogar unterernährte und lebensschwache Lügen zu ansehnlichem Gewicht gelangen. Das Gewürm bedeckt schließlich in unentwirrbarem Knäuel die ganze Erde, die Wahrheit unter sich zerschleimend. Der Krieg ist auf Jahre hinaus mit Futter versorgt und rülpst, ein satter Rentner, die Verzweiflung an, die ihm Vorwürfe wegen seines Heißhungers machen möchte."

Rudolf Jeremias Kreutz stammte aus dem böhmischen Roždalowitz, ging in Wiener Neustadt und in Wien in die Schule. Schon früh veröffentlichte er unter seinem Pseudonym "Jeremias" erste satirische Texte – Arthur Schnitzler sollte ihn später als "Spottdrossel unter den Lerchen des Wiener und des Grazer Waldes" bezeichnen.

Als Oberleutnant der k.u.k. Armee geriet Kreutz kurz nach Kriegsbeginn in russische Gefangenschaft. Nach seiner Flucht im Jahr 1918 ließ er sich endgültig als freier Schriftsteller in Wien nieder. Er befasste sich mit pazifistischen Themen und der Vision einer idealen Gesellschaft. Da er sich gegen den Nationalsozialismus stellte und 1933 im PEN-Club eine diesbezügliche Resolution einbrachte, wurden seine Schriften im Deutschen Reich verboten. Nach dem "Anschluss" Österreichs an Hitler-Deutschland wurde er 1938 mit einem Publikationsverbot belegt und war zeitweilig sogar inhaftiert.

Kreutz verstarb 1949 in der Villa seiner Frau Heddy Kreutz-Seiller am Grundlsee. Heute gehört die Villa zum Vermögen der "Dr. Erich Bielka-Stiftung zum Gedenken an Rudolf Jeremias Kreutz" und steht Künstlern für Arbeits- und Erholungsaufenthalte zur Verfügung. An Rudolf Jeremias Kreutz erinnert eine Gedenktafel an seiner Wiener Wohnadresse in der Neubaugasse 71.

Links:
Glossen zur Zeit von Rudolf Jeremias Kreutz (Die Muskete vom 17. Oktober 1918)
Rudolf Jeremias Kreutz (biographischer Text zu seiner Radiosendung in Radio-Wien vom 15. Februar 1929)

16. Oktober 1918

Kriegspropagandapostkarte von Alfons Siber
Alfons Siber: "Albion, Frankreich, Russland alle Feind heran!", Propagandapostkarte aus 1914; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Am 16. Oktober 1918 erschien in den Innsbrucker Nachrichten ein Artikel über die künstlerische Ausgestaltung des 1914 eröffneten Krankenhauses in Hall in Tirol durch den akademischen Maler Alfons Siber:

"Mit dem neuen Krankenhause hat Stadtbaumeister Illmer der Stadt Hall ein kleines baukünstlerisches Juwel errichtet: Einfach und gediegen, unaufdringlich in der Außenwirkung, vorbildlich in Bezug auf Raumaufteilung und Innenausstattung. Gediegenheit und Zweckmäßigkeit in edler Harmonie! Das Prunkstück des Gebäudes ist die Kapelle […] Der akad. Maler Alfons Siber arbeitet hier in aller Stille an der Vollendung der Fresken […] In Grüngrau mit Schwarz gezeichnet, in Weiß gehöht, wollte der Künstler unter Verzicht auf weitere Farbenwirkung die Tragik des Stoffes voll zur Geltung bringen und hat dies auch glänzend erreicht. – Welche Farbenfeuer aber läßt er im Gegensatze hiezu an den beiden Fresken im Frontbogen aufsprühen 'Die Offenbarung des hl. Johannes und der Weltkrieg' – so kündet eine Schriftrolle den Stoff an, dem diese Darstellungen entnommen sind. Erste Künstler, wie Dürer, Cornelius, Böcklin u. a. haben schon aus diesem Stoffe geschöpft; besonders die apokalyptischen Reiter erscheinen immer wieder als beliebter Vorwurf. Was hat Siber aus dem Stoffe gemacht? Er hat in tiefer Durchdringung desselben mit genialem Blicke die Parallele herausgefunden, die zwischen diesem Stoffe und dem gegenwärtigen Weltringen besteht: Es ist das uralte Lied, das in diesen beiden Fresken so lebendig und wuchtig auf uns wirkt – die Verkörperung des Kampfes, der gräßlichwild über die Erde rast, der Kampf zwischen Wahrheit und Tugend – gegen Lüge, Sünde und Mammon! […] Freuen wir uns, daß es durch den glücklichen Griff der Haller Stadtvertretung zwei erlesenen Künstlern wieder einmal möglich gemacht wurde sich in monumentalen Werken auszusprechen und im Gegensatze zu der wuchernden Kitsch- und Afterkunst Gediegenes uns künstlerisch Wertvolles zu schaffen."

Der 1860 im tirolerischen Schwaz geborene Alfons Siber studierte an der Wiener Akademie der Bildenden Künste und wirkte anschließend in seiner Tiroler Heimat als Maler und Restaurator. 1903 gründete er den Tiroler Künstlerbund. Während seine Auftragswerke, vor allem Porträts und Werke in Kirchen und Festsälen, dem konservativen Geschmack seiner Auftraggeber entsprachen, pflegte er in seinen privaten Bildern einen sezessionistischen Stil. 1914 ließ er sich – wie viele andere Künstler auch – von der Kriegsbegeisterung anstecken und beteiligte sich an der Gestaltung von Kriegspropaganda. Privat galt Siber als begeisterter Schifahrer, der die Lilienfelder Skilaufmethode des Niederösterreichers Mathias Zdarsky in Tirol einführte.

Das Haller Krankenhaus wurde 1914 eröffnet und beherbergte bis 1929 auch ein Altersheim. 1918 wurde dem Krankenhaus das Öffentlichkeitsrecht zuerkannt, was zu einem raschen Anstieg der Patientenzahlen führte. Seit 2011 ist das mittlerweile in "Landeskrankenhaus Hall" umbenannte Krankenhaus eine Anstalt der "Tirol Kliniken".

Links:
Das neue Krankenhaus der Stadt Hall (Innsbrucker Nachrichten vom 16. Oktober 1918)
Weiterlesen: Bezirkskrankenhaus Hall in Tirol

15. Oktober 1918

Reichsratsabgeordnete treffen zu Beratungen mit Kaiser Karl über die Zukunft der Monarchie in Baden bei Wien ein
Reichsratsabgeordnete treffen zu Beratungen mit Kaiser Karl über die Zukunft der Monarchie in Baden bei Wien ein; © Neuigkeits-Welt-Blatt vom 15. Oktober 1918

"Die Parteiführer beim Kaiser" titelte das Neuigkeits-Welt-Blatt am Dienstag den 15. Oktober 1918. Tatsächlich waren 32 Vertreter verschiedener Parteien der österreichischen Reichshälfte am samstags zuvor nach Baden bei Wien geladen worden, wo sich in den letzten Kriegsmonaten am heutigen Hauptplatz 17 – damals Kaiser Karl-Platz – die kaiserliche Residenz befand. Tschechische und südslawische Politiker boykottierten dieses Treffen allerdings. Die Besprechungen drehten sich um die politische Reorganisation der österreichischen Reichshälfte, da die Mittelmächte, darunter auch Österreich-Ungarn, am 4. Oktober 1918 das 14-Punkte Programm des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson akzeptiert hatten. Für das Habsburgerreich war vor allem das von Wilson geforderte Selbstbestimmungsrecht der europäischen Nationen problematisch. Noch glaubte Kaiser Karl daran, dass sich das Selbstbestimmungsrecht der polnisch-, tschechisch-, ukrainisch-, slowenisch-, italienisch-, ladinisch- und deutschsprachigen Volksgruppen innerhalb des österreichischen Teils der Monarchie – unter anderem mit der Schaffung eines "Völkerministeriums" – verwirklichen lassen würde:

"Der vergangene Samstag war ein für die innere Politik Oesterreichs historischer Tag. Im Rahmen der großen Wendung, vor der Oesterreich in seiner Zusammensetzung steht, erschien eine Anzahl der politischen Parteiführer vor dem Monarchen, um ihm ihre Ansichten und Meinungen über die Zukunft der Völker kundzugeben und den Kaiser mit den Hoffnungen bekanntzumachen, die die einzelnen Volksstämme Oesterreichs an die jetzt geplanten Reorganisationen im Staat knüpfen […] Mit der Südbahn fuhren die Parteiführer bei strömendem Regen nach Baden, wo sie sich in der am Franzensring gelegenen, vom Marquis Villasecca erbauten Villa versammelten. Von dort aus brachten Automobile die Politiker in die Kaiservilla am Kaiser Karlplatz, wo die Audienzen stattfanden. Die Automobile sollten die Herren vom Bahnhof abholen, waren aber infolge eines Mißverständnisses zur erwähnten Villa gefahren, so daß die Ankommenden die erste Wegstrecke zu Fuß zurücklegen mußten. Der Direktor der kaiserlichen Kabinettskanzlei Dr. R. von Seidler geleitete dann die Politiker in das Arbeitszimmer des Kaisers, wo in fünfstündigen Audienzen alle die hochbedeutsamen Fragen erörtert wurden, die derzeit die Gesamtheit Oesterreichs bewegen."

Tatsächlich kam die Initiative Kaiser Karls zu spät. Die Annahme von Wilsons 14 Punkte – vom Interessanten Blatt wenig später als "Harakiri" bezeichnet – beschleunigte bloß den Zerfall des Vielvölkerstaats (Das interessante Blatt vom 14. November 1918). Am Tag der hochrangigen Konferenz in Baden betrachtete die Arbeiterzeitung die politische Situation wesentlich nüchterner und realistischer als der Kaiser:

"[…] soll man es auch hier versuchen, eine parlamentarische Regierung, ein 'Völkerministerium' zu bilden, das Vertreter aller Nationen umfassen würde und darum im Namen aller Nationen sprechen könnte? Aber das geht gar nicht; aus dem sehr einfachen Grunde nicht, weil Tschechen, Südslaven, Polen keine solche Regierung bilden, in keine österreichische Regierung mehr eintreten wollen, weil sie eben dem österreichischen Staat überhaupt nicht mehr zugehören, ihre eigenen Nationalstaaten bilden wollen! Keine Macht der Welt kann diese Tatsachen ändern. Kein Staatsstreich von oben und keine Revolution von unten könnte eine österreichische Regierung hervorbringen, die von allen Nationen das Mandat zu Friedensverhandlungen bekäme, weil viele Nationen eben überhaupt Oesterreich nicht mehr wollen, sich als Bürger Oesterreichs nicht mehr fühlen, jeder österreichischen Regierung, wie immer sie aussähe das Recht, ihre Sache zu führen, absprechen. Das ist die nackte, brutale Tatsache, die, ob man sich ihrer nun freut oder ob man sie beklagt kein Einsichtiger mehr leugnen kann. Darum kann Wilson eine österreichisch-ungarische Regierung, die nach seiner Auffassung und seinen Grundsätzen zu Friedensverhandlungen berechtigt wäre, nicht finden [...] Es werden also vielleicht überhaupt nicht Vertreter der k.u.k. Regierung zum Verhandlungstisch kommen, sondern nur Vertreter der Tschechen, der Südslaven, der Polen, der Ungarn und so weiter. Und wenn wir Deutschösterreicher bei den Verhandlungen nicht unvertreten bleiben wollen, dann müssen wir uns eben auch als Nation konstituieren und unsere eigenen Vertreter zum Friedenskongreß entsenden. Die österreichisch-­ungarische Regierung hat den Krieg erklären können; aber ob sie auch noch berufen sein wird, Frieden zu schließen, ist durchaus nicht gewiß."

Links:
Günstige Friedensanzeichen (Neuigkeits-Welt-Blatt vom 15. Oktober 1918)
Wer soll die Friedensverhandlungen führen? (Arbeiter-Zeitung vom 12. Oktober 1918)

14. Oktober 1918

Ein Wiener Hausmeister, um 1885
Ein Wiener Hausmeister, um 1885; © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv

Der Beruf der Hausbesorgerinnen und Hausbesorger entstand mit dem Wiener Bauboom im 19. Jahrhundert. Nicht nur das Bürgertum und der Adel errichteten sich weitläufige Gebäude, es wurden auch in den Vororten große Wohnanlagen errichtet, für die ein intensiver Betreuungsbedarf entstand. Bald wachten "Hausmeister" über diese Anlage, sorgten für Zucht und Ordnung, übernahmen handwerkliche Aufgaben und kümmerten sich um die Sauberkeit. Hausmeisterinnen beziehungsweise Hausmeistern wurden samt ihren Familien Wohnungen im Erdgeschoss zur Verfügung gestellt, sodass niemand ungesehen das Haus betreten oder verlassen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass Mieter damals kein Anrecht auf Haustorschlüssel hatten und Hausmeister das Hausportal zwischen 22 und 6 Uhr in der Früh verschlossen zu halten hatten. Mieter, die in der Nacht in ihre Wohnungen wollten, waren deshalb gezwungen anzuläuten und dem Hausmeister für seine Aufsperrdienste das sogenannte "Sperrsechserl" zu bezahlen (ursprünglich 6 Kreuzer, nach einer Währungsreform 20 Heller, die heute etwa 1 Euro entsprechen).

Hausmeister wurde gewissermaßen – wienerisch gesprochen – zu "Respektspersonen". Es war deshalb ratsam ein gutes Verhältnis mit ihnen pflegen. Hielt man sich nicht an diese Regel, konnte es Probleme geben, wie die Wiener Allgemeine Zeitung am 14. Oktober 1918 berichtete:

"In der ganzen Welt würde man Derartiges für unmöglich haltet, bloß in Wien, dem Sperrsechserl-Eldorado, weiß man, daß es so etwas gibt. Da kennt man die Gloriole, die der Hausmeister um sein Haupt trägt, da ist man von seiner Mächtigkeit, wenn nicht gar von seiner Allmächtigkeit überzeugt und auch davon, daß es vor allem darauf ankommt, sich mit dieser wichtigen und mit weitgehenden Befugnissen ausgestatteten Persönlichkeit ins Einvernehmen zu setzen und sich auf guten Fuß zu stellen. Und wenn man hierzulande keinen Richter zu brauchen glaubt, so weiß man ebenso, daß man mit dem Hausmeister rechnen muß, daß es unerläßlich ist, sich seiner Gunst zu versichern. Wer es an Respekt fehlen läßt, dem kann es passieren, daß er gekündigt wird. So geschehen einer Mietpartei, die von der Hausbesitzerin deshalb gekündigt wurde, weil sie Mehrmals vor anderen Hausparteien einen nicht genügend respektvollen Ton der Hausmeisterin gegenüber angeschlagen hat. Die Partei hat diese Kündigung jedoch nicht ernst genommen und dagegen Einspruch Erhoben […] Die Autorität der Hausmeister hat hiemit einen empfindlichen Stoß erlitten; mag sein, daß sie in ihren Grundfesten erschüttert ist. Wenn die übrigen Wohnparteien Wiens das erfahren werden, alle jene, die bisher nur zitternd und bebend und mit zu Boden gesenkten Augen vor den Hausbesorgern und - besorgerinnen zu stehen wagten […], daß es noch eine höhere als die Hausmeisterautorität gibt […] Die Hausbesorger mögen beruhigt sein: trotz aller abgewiesenen Revisionen. Die Wiener werden es nicht glauben."

Im Jahr 2000 wurde das für ganz Österreich geltende Hausbesorgergesetz dahingehend novelliert, dass keine neuen Hausbesorger mehr eingestellt werden können, während bestehende Arbeitsverhältnisse langsam auslaufen. Begründet wurde die Reform mit günstigeren Kosten für Mieterinnen und Mieter, wenn externe Firmen die Aufgaben der früheren Hausmeister übernehmen. Letzteres trat zwar in einigen Wohnhausanlagen ein, trotzdem sprach sich eine Mehrheit bei einer Volksbefragung 2010 in Wien dafür aus, Hausbesorger auf bundesgesetzlicher Ebene wieder zu ermöglichen.

Links:
Die Autorität der Hausbesorgerin (Wiener Allgemeine Zeitung vom 14. Oktober 1918)
Weiterlesen: Hausbetreuung nach Abschaffung des Hausbesorgergesetzes

13. Oktober 1918

Der "Elsahof" in Wien-Neubau, Neubaugasse 25, unmittelbar nach seiner Errichtung 1911
Der "Elsahof" in Wien-Neubau, Neubaugasse 25, unmittelbar nach seiner Errichtung; © Der Architekt, Jahrgang 1912, Tafel 74

Anfang des 20. Jahrhunderts war das Medium "Film" noch neu und machte neugierig. Zahlreiche Kinos entstanden und in Wien etablierte sich eine lebhafte Filmindustrie. Am Sonntag den 10. Oktober 1918 wurde unter anderem im Central Kino in der Taborstraße 8, dem laut Eigendarstellung "größten und schönsten Kino Wiens" (heute ein Lebensmittelmarkt), im Rahmen eines "Doppelprogramms" die "Erst- und Alleinaufführung" von "Janayas indischer Zirkus" gegeben, begleitet vom Konzertorchester Nadler:

"Phantastisches indisch-europäisches Drama aus dem Zirkusleben. In der Hauptrolle: Ferdinand Bonn. Originalaufnahmen aus Ceylon. Elefanten-, Tiger und Löwentruppen aus der Menagerie des Zirkus Sarasatti, Berlin, über 6000 Zuschauer."

Als zweiter Film des "Doppelprogramms" wurde die Erstaufführung des Detektivdramas "Der Eisenbahnmarder" aus dem Filmverleih Stuart Webbs angekündigt.

Das Zentrum der Wiener Filmindustrie lag damals im 7. Wiener Bezirk rund um die Neubaugasse 25. Hier befand sich das legendäre Café Elsahof in einem bis heute bestehenden Gebäude, das 1911 vom Architekten Hans Prutscher in Anlehnung an die Formensprache Otto Wagners errichtet wurde und auch zahlreiche Büros aus der Filmbranche beherbergte, darunter den oben bereits erwähnten Filmvertrieb "Stuart Webb", die "Filmleihanstalt Engel & Walter", die "Gesellschaft für Kinoindustrie und Filmvertrieb m.b.H. Das Kino", die "Projectograph A.G." (sogar mit eigenem Projektionsraum!), die "Star Filmfabrik und Filmvertrieb A.G.", die "Film-Leihanstalt Friese & Kennedy", die "Preiss-Film", die "Delta Film-Vertriebs-Gesellschaft m.b.H.", die "Messter-Film- und Apparate-Ges.m.b.H." und die "Polo Film- Vertriebs-Gesellschaft m.b.H." Das im Erdgeschoß gelegene Café Elsahof, das auf der Rückseite des Gebäudes auch über einen ruhigen Gastgarten verfügte, galt als der Treffpunkt der Wiener Filmbranche schlechthin.

Trotz der Vertreibung und Verfolgung der Filmschaffenden während des Nationalsozialismus, flackerte das filmische Leben in Wien-Neubau rund um das Café Elsahof nach 1945 für kurze Zeit wieder auf, wie der Wiener Schauspieler, Schriftsteller und Theaterintendant Gerhard Tötschinger in seinem literarischen Streifzug durch die Wiener Bezirke berichtet:

"Selbst nach dem Ende der großen Ära der großen Ära des Filmviertels gab es in der Neubaugasse den Sitz der Schönbrunnfilm, der Paula-Wessely Film. Im Café Elsahof sah man Tag für Tag an seinem Stammtisch den früheren Major Carl Szokoll, der sich dem Widerstand angeschlossen hatte und mit der 'Operation Radetzky' um die kampflose Übergabe Wiens an die Rote Armee bemüht gewesen war. Nach dem Krieg wechselte Szokoll zum Film, wurde Produktionsleiter bei der Schönbrunn-Film und der Cosmopol-Film, gründete seine eigene Firma Neue Delta und blieb dem neuen Beruf und der und der Neubaugasse treu."

Das Café Elsahof war in der Nachkriegszeit aber nicht nur der Treffpunkt Filmschaffender, sondern auch Billardcafé, denn ab 1945 fanden dort fast alle wichtigen österreichischen Billardereignisse statt. Kurz vor der endgültigen Schließung wurden 1971 die nationalen Billiardmeisterschaften zum letzten Mal im Café Elsahof ausgetragen. Auch dieses Café ist heute ein Lebensmittelgroßmarkt.

Links:
Theater und Vergnügungen, Central Kino (Neue Freie Presse vom 13. Oktober 1917)
Heute vor 100 Jahren: Die Grazer Erstaufführung zweier Stummfilme (27. September 1918)
Heute vor 100 Jahren: Franz Lehar im Film (25. Mai 1918)
Heute vor 100 Jahren: Der österreichisch-ungarische Film (27. Dezember 1917)
Weiterlesen: Gerhard Tötschinger, Vom Schaumburger Grund ins Lichtental. Die Wiener Bezirke IV bis IX, Amalthea Verlag, Wien 2016

12. Oktober 1918

Der Einfluß des Krieges auf die Damenmode bei uns und anderswo
"Hüben und drüben! Der Einfluß des Krieges auf die Damenmode bei uns und anderswo"; © Neuigkeits-Welt-Blatt vom 12. Oktober 1918

Mode ist etwas Schnelllebiges und ein Trend folgt dem Nächsten. Jede Epoche hat ihre spezifischen Kleidungsstücke und Stile. Es ist also kaum verwunderlich, dass der Krieg auch die Mode beeinflusste, wie das Neuigkeits-Welt-Blatt am 12. Oktober 1918 feststellte:

"Es ist ein alter Erfahrungssatz, daß die Damenmode immer und überall von jeweiligen Ereignissen beeinflußt wird und daß aus dieser Weise gewissermaßen sich die Vorgänge der Zeit zum Teil in der Bekleidung widerspiegeln. Selbstverständlich ist dies auch jetzt in der Kriegszeit der Fall und hüben wie drüben läßt sich der Einfluß des Krieges auf die herrschende Damenmode beobachten. Man braucht zu diesem Zweck nur unser heutiges Weltbild zu betrachten, das links einen unserer Feldgrauen mit dem vielbewährten Stahlhelm zeigt, neben dem eine nach, neuer Mode gekleidete Dame abgebildet ist. Wie außerordentlich ähnlich sind sich z. B. die beiden Kopfbedeckungen! Man glaubt förmlich, die Dame trage auch einen Stahlhelm, und doch ist es die moderne Schöpfung einer Modistin, die eben dem Zug der Zeit Rechnung trägt. Noch auffallender zeigt dies das rechts stehende Bild, das eine englische Modedame und neben ihr einen Offizier der schottischen Hochländer darstellt. Von der Kopfbedeckung an bis zu den Gamaschen ist hier alles dem Kriegskleid des Mannes nachgeahmt und es muß wohl einen ganz seltsamen Anblick gewähren ein Pärchen in dieser sich so außerordentlich ähnlichen Kleidung auf der Straße zu erblicken."

Die Mode wurde während des Kriegs allerdings nicht nur von Uniformen geprägt, sondern auch von der kriegsbedingten Mangelwirtschaft. So entstand beispielsweise Kleidung aus Papierstoffen oder aus kratzigem Brennnesselgarn.

Ein Mantel, der im Ersten Weltkrieg entwickelt wurde, zählt heute allerdings zu den zeitlosen Klassikern. Das Besondere an diesem neuartigen Mantel war der wasserabweisende Gabardinestoff, der Ende des 19. Jahrhunderts von Thomas Burberry in England erfunden wurde. Aufgrund der Witterungsbeständigkeit wurde das britische Militär bald auf den neuen Stoff aufmerksam und Burberry überarbeitete den Mantel für den Einsatz im Schützengraben (Englisch: Trench). Nach dem Weltkrieg sollte der ursprünglich ausschließlich Offizieren vorbehaltene Schützengraben-Mantel als "Trenchcoat" seinen Siegeszug um die Welt antreten.

Links:
Hüben und drüben! Der Einfluß des Krieges auf die Damenmode bei uns und anderswo (Neuigkeits-Welt-Blatt vom 12. Oktober 1918)
Heute vor 100 Jahren: Kleider aus Papierfasern (9. Juli 1918)